Rock in Vienna 2015 | Tag 1

Faith No More | via
Wien bekommt sein eigenes Rockfestival: Bereits die erste Auflage des Rock in Vienna von Donnerstag bis gestern, Samstag, konnte mit Spitzenbesetzung aufwarten. Allein bei den klingenden und allseits bekannten Namen der Headliner, Metallica, Muse und KISS, leckte sich so mancher Fan schon im Vorfeld die Finger. Ob die Festivalszene aber wirklich noch ein Festival wie dieses braucht und ob die Nachsage der vermeintlichen Konkurrenz zum Nova Rock Festival berechtigt ist, sollte sich in den nächsten drei Tagen herausstellen.
Was viele nicht wissen: Rock In Vienna wurde bereits 1993 zum ersten Mal abgehalten, damals noch als Parallelveranstaltung zu Rock Am Ring. Aufgrund neuer Auflagen mussten die Macher die Stadt verlassen und siedelten sich in München an. Rock In Vienna wurde zu Rock In Riem und später zu Rock Im Park.
Bereits im Vorfeld rühmte sich der Veranstalter, die Deutsche Entertainment AG, kurz DEAG, die auch für Rock im Revier in Gelsenkirchen und Rockavaria in München zuständig ist, mit einem einzigartigen Konzept, das das Rock in Vienna von allen anderen Festivals abheben sollte: eine Doppelbühne von etwa 110 Metern, die größte bisher dagewesene Bühne in Österreich, die von Joachim Luetke designed und abwechselnd bespielt wurde, womit keine Umbaupausen zustande kamen. Nachempfunden sind die Bühnen Gustav Klimt (Soulstage) und Sigmund Freud (Mindstage), was als Konzept vorgestellt wurde, sich allerdings nur auf die jeweiligen Bühnenvorhänge beschränkte. Passender wäre es wohl gewesen, wenn man das gesamte Festivalgelände in dieses Konzept miteinbezogen hätte.

Für erste Verwirrung sorgte bereits der Einlass: War der Weg dorthin noch einigermaßen gut beschildert (wenn man sich schon vorher informiert hatte), rief der Welcome-Banner bereits erstes Stirnrunzeln hervor. Jede Ticket-Art hatte ihre eigene Schleuse, die man erstmal labyrinthartig und ein wenig an den Flughafen-Schalter erinnernd durchqueren musste. Nicht selten kam es vor, dass sich Besucher falsch anstellten und erstmal weiterirren oder sich gar ganz hinten anstellen mussten. Inwieweit dieses System nützlich hätte sein sollen, erschließt sich mir aber nicht ganz. Obwohl ich bereits um etwa 13:45 Uhr vor Ort war, musste ich schon anstehen, da die Schleuße für 3-Tages-Pass-Besitzer mit zwei Damen schrecklich unterbesetzt war. Kollegen nebenan an den Schleußen für VIP oder Tagesticket langweilten sich im Gegenzug derweil.

Eröffnet wurde das Festival dann um 14:00 Uhr auf der Soulstage mit den Mattersburgern A Caustic Fate. Die Burgenländer, die ihren Sound selbst als Rockcore bezeichnen, waren ab der ersten Sekunde mit Feuereifer dabei. Anfangs zeigte sich das Publikum noch eher verhalten, nur ab und zu sah man vereinzelt Zuschauer, die sich begeistert vom Sound mitreißen ließen. Nach ein paar gespielten Songs und dank Frontmann Sascha Weninger, der nicht müde wurde, das Publikum zu animieren, stieg die Stimmung dann aber noch deutlich. Gelungener Auftakt!

Mein erstes Highlight waren dann direkt im Anschluss Gojira auf der Mindstage. Nachdem es mir am Nova Rock 2012 aufgrund des Timetable-Debakels leider nicht möglich war, die französischen Death Metaller zu Gesicht zu bekommen, war es nun endlich soweit, und ich wurde nicht enttäuscht. Bereits das Intro sorgte für Jubelrufe, und als dann der Vorhang im Sigmund Freud-Stil beiseite gezogen wurde und das Quartett freudestrahlend die Bühne betrat, kannten die Jubelrufe kein Halten mehr, während sich der Wavebreaker weiterhin gut füllte. Gestartet wurde mit Ocean Planet vom Album From Mars to Sirius, das mit insgesamt drei Songs am stärksten vertreten war. Die Stimmung war von Anfang an ausgelassen und steigerte sich von Song zu Song, man sah emsige Headbanger und die Band freute sich sichtlich über das begeisterte Publikum. Krönender Abschluss des mit 40 Minuten viel zu kurzen Sets war dann Vacuity aus The way of all flesh, was das Publikum dazu verleitete, noch ein letztes Mal alles zu geben und auch noch einen kleinen Pit zu starten. Kaum zu glauben, dass das erst der dritte Österreich-Auftritt seit ihrer Gründung 1996 war. Hoffentlich sehr bald wieder!

Danach wurde es mit Three Days Grace, die sich ebenfalls nicht allzu häufig hierzulande blicken lassen, auf der Soulstage wieder etwas rockiger. Auch hier war der Wavebreaker gut gefüllt und auch außerhalb gab es einige Interessierte. Der Altersdurchschnitt wurde hier deutlich gesenkt, viele Jugendliche, manche sogar mit einem Elternteil im Schlepptau, tummelten sich vor der Bühne, manche hatten sich das Tagesticket sogar extra für die Kanadier gekauft. Um 15:10 Uhr war es am neuen Sänger Matt Walst, sich als würdiger Nachfolger von Adam Gontier und dessen charismatischer Stimme zu beweisen. Begeistert wurde die Band aufgenommen und sorgte mit alten Hits wie Riot, Animal I Have Become oder Never Too Late für ausgelassene Stimmung bzw. auch für das ein oder andere feuchte Augenpaar, doch auch Songs wie Painkiller aus dem neuen Album Human sorgten für Stimmung und Bewegung, obgleich der von Matt Walst gewünschte Pit nicht zustande kam.

Testament | via
Deutlich härter ging es dann auf der Mindstage zu, denn Testament hatten sich angekündigt. Die Thrash Metal-Legenden aus Kalifornien konnten ebenfalls eine beachtliche Anzahl an Fans und Schaulustigen vor die Bühne locken und heizten der Menge mit Songs wie The New Order, Practice What You Preach und dem abschließenden Disciples Of The Watch ordentlich ein. Ausgelassene Stimmung, eine spielfreudige Band, ein cooles Bühnenbild (das bei einer späteren Spielzeit sicher besser zur Geltung gekommen wäre) und perfekt dargebotene Soli - was will man mehr?

Der Auftritt von A Day To Remember um 17:30 Uhr lockte dann wieder vermehrt jüngeres Publikum an. Gestartet wurde die Post-Hardcore-Party gleich mit ihrem Hit The Downfall Of Us All, und natürlich durften auch Songs wie I'm Made Of Wax, Larry, What Are You Made Of? oder All I Want nicht in der Setlist fehlen. Publikum und Fans hatten mächtig Spaß, gegen Ende durfte sich das Publikum dann auch noch mit Wasserbällen, die vom Maskottchen der Band in den Zuschauerraum geworfen wurden, austoben, was sehr cool anzusehen war. Nach etwa 45 Minuten war dann auch schon wieder Schluss, was etwas verwunderte, da das Set eigentlich bis 18:30 Uhr angesetzt war.

Wer die nächste Band auf der Soulstage sehen wollte, musste nun also etwa 20 Minuten ausharren, bevor das nächste Highlight anstand: Die wiedervereinigten und legendären Faith No More konnten als Soulstage-Co-Headliner gewonnen werden. In Lederhosen und karierten Hemden gekleidet und somit das Klischee vollkommen erfüllend, legten die Kalifornier inmitten von unzähligen Blumenbuketts mit dem neuen Song Motherfucker aus dem ersten Album nach 18 Jahren Pause, Sol Invictus, los, was für einen überraschend ruhigen Start in die etwa einstündige Show sorgte. Während den ersten paar Songs zeigte sich das Publikum noch sehr verhalten und beobachtete das Treiben auf der Bühne vielleicht sogar mit etwas Skepsis. Erst beim recht früh angesetzten Klassiker Epic, dem Commodores-Cover Easy, das breitflächig zum Schunkeln animierte und Ashes To Ashes brach das Eis und das Publikum sang begeistert mit. Allgemein kamen die härteren Klänge besser an, doch auch ruhigere Darbietungen machten Spaß zuzusehen, das exzentrische Auftreten von Sänger Mike Patton rundete den Auftritt ab.

Damit endete der erste Tag auch schon für mich, letztendlich entschied ich mich dagegen, mir die Thrash-Legenden Metallica ein weiteres Mal anzusehen, was sich nicht gerade als falsch herausstellte, da sie wieder mal mit Verspätung, diesmal angeblich sogar unfassbare 30 Minuten (!), die Bühne betraten und somit ein verkürztes Set spielten. Somit hatte ich genug Zeit, mit der U-Bahn nach Hause zu fahren (so ein Festival mitten in der Stadt kann auch ganz praktisch sein) und mich auf den zweiten Tag vorzubereiten.

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