Rock in Vienna 2015 | Tag 3

KISS | via
Auch am dritten und letzten Tag des Festivals ging es nochmal so richtig heiß her, sowohl musikalisch, als auch wettermäßig: Über 30°C und nach wie vor strahlend blauer Himmel sorgten für perfektes Festivalwetter. Für einige, unter anderem auch mich, war das dann aber doch schon zu heiß, weshalb der kühlende Wind, der von Zeit zu Zeit von der Donau rüberwehte, mehr als gut tat.

Erste Anlaufstelle waren um 13:15 Uhr die US-Amerikaner Hellyeah, die mittlerweile jedes Jahr auf einem österreichischen Festival vertreten sind, bei diesem Auftritt aber ohne Gitarrist Tom Maxwell, der sich den Fuß gebrochen hat und nun einige Wochen pausieren muss. Der Mittagshitze trotzend, tummelten sich schon einige Leute vor der Mindstage, obgleich die Anzahl einem Hellyeah-Auftritt nicht wirklich gerecht wurde. Die Technikprobleme, die einige Tage zuvor einen Festival-Auftritt gänzlich verhinderten, wurden offensichtlich ausgemerzt und die Band konnte mit ihrer energetischen Show voll durchstarten. Besonders Rampensau Chad Gray legte sich wieder mal mit Freude und Feuereifer ins Zeug und machte das Beste aus der nur halbstündigen Spielzeit. Verabschiedet wurden sie jedenfalls wieder lauthals, vielleicht wird es endlich mal Zeit für ein Einzelkonzert in Wien.

Im Anschluss wurde dann feinster Death Metal aus Österreich geboten: Das Death Metal-Urgestein Martin Schirenic beehrte das Rock in Vienna mit Schirenic Plays Pungent Stench. Das Publikum zeigte sich anfangs noch recht verhalten, taute jedoch nach und nach auf und zumindest bei den letzten Songs ließen sich einige ihre Begeisterung für den Sound anmerken. Auch die Besucherzahl wurde dem Auftritt nicht ganz gerecht, vielleicht wären sie auf einem anderen Festival aber auch besser aufgehoben gewesen.

Weiter ging der sehr Metal-lastige Tag um 14:15 Uhr mit den Nu-Metallern von Coal Chamber, die sich mit ihrer neuen Platte Rivals und alter Bassistin nun endlich endgültig zurückmeldeten. Diese konnten wieder weit mehr Leute vor die Bühne und in den Wavebreaker locken und begeisterten vor allem mit einer ausgesuchten Anzahl an alten Hits, darunter natürlich auch die Gassenhauer Loco und Sway. Wieder mal ein fetter Auftritt der Kalifornier, die uns für meinen Geschmack viel zu selten in Österreich beehren.

Opeth sind wohl längst keine Band mehr, die man noch großartig vorstellen muss. Dementsprechend war auch einiges los vor der Soulstage, als das Quintett um 15:00 Uhr die Bühne betrat und ohne Umschweife mit Eternal Rains Will Come zwar einen ruhigen, aber nicht weniger guten Start ins Set hinlegte. Die Schweden, die sich in den letzten Jahren immer mehr vom Death Metal ab- und dem Progressive-Stil zugewandt haben, legen immer viel Wert darauf, es Fans beider Schaffensphasen recht zu machen. Auch das anschließende Cusp of Eternity sorgte noch für etwas ruhigere Klänge, bevor mit The Drapery Falls endlich erstmals Frontmann Mikael Åkerfeldts Growls zum Einsatz kamen. Stark!

Babymetal | via
Als echter Publikumsmagnet und zugleich absoluter Ausreißer des Tages erwies sich die nächste Band. Als Internetphänomen bekannt geworden, absolviert die japanische Band Babymetal gerade ihre erste Welttournee. Viele Schaulustige, aber auch einige Fans, in Bandshirts und Flaggen gewandet, warteten auf die Band rund um die minderjährigen Sängerinnen Su-Metal, YuiMetal und MoaMetal, die mit ihrem sogenannten Kawaii Metal, eine Verschmelzung von J-Pop-Idol-Musik und Heavy Metal, für einen regelrechten Kulturschock in der Metalszene sorgten. Pünktlich um 15:45 Uhr wurde das Intro, das die Geschichte der sogenannten Metal Resistance erzählte, abgespielt, danach betraten die Band und zuletzt die drei Sängerinnen, in Babymetal-Flaggen gehüllt und im Takt zum Opener, Babymetal Death, die Bühne. Das Publikum tobte und zeigte sich von der ersten bis zur letzten Minute von den Songs und der sehr powervollen und synchronen Choreographie restlos begeistert. Sogar ein Circlepit, der den Wavebreaker gut zum Stauben brachte, kam zustande und selbst Skeptiker und eingefleischte Metalheads ertappte man dabei, wie sie immer mehr auftauten und sich vom Auftritt der drei sympathischen Mädchen mitreißen ließen. Auch ich war begeistert von diesem durchweg starken Auftritt und verbleibe nur mit der Empfehlung, sich diese durchaus ungewöhnliche Band bei Gelegenheit aus nächster Nähe anzusehen, ich werde es nach Möglichkeit auch beim nächsten Mal wieder tun.

Um von dieser Überdosis an Niedlichkeit wieder runterzukommen, eigneten sich Heaven Shall Burn im Anschluss perfekt. Mit postapokalyptischem Bühnenbild und der Mission, das Publikum trotz Hitze noch extra richtig zum Schwitzen zu bringen, wurde sogleich mit dem Hit Counterweight gestartet, und das Publikum, das vergleichsweise zu anderen Gigs der Band fast schon rar gesät war, ging begeistert mit. Circlepit, Wall of Death, Crowdsurfer - alles von Anfang an vorhanden. Vielleicht ging es auch etwas zu heiß her, denn während des Auftritts, ausgerechnet beim Kracher Voice Of The Voiceless, kam es zu einem Stromausfall, der dazu führte, dass der Auftritt unterbrochen werden musste und dann nur noch Zeit für einen letzten Song, natürlich Endzeit, blieb. Das sei ihnen jedoch verziehen, immerhin sind die sympathischen Thüringer immer gern gesehene Gäste, und der nächste Österreich-Termin lässt sicher nicht lange auf sich warten.

Doch nicht etwa der anfangs anhaltende Ausfall der Videowalls führte dazu, dass alljene, die sich Airbourne ansehen wollten, so nah als möglich zur Bühne kamen. Die Australier sind mittlerweile nicht mehr aus der Hardrock-Szene wegzudenken, gelten sogar schon als neue AC/DC und schaffen es immer wieder, ein begeistertes Publikum zu hinterlassen. Heiße, mitreißende und tanzbare Rock'n'Roll-Rhythmen gepaart mit einer gut gelaunten Band und einem übermotivierten Sänger, der trotz der Hitze und in langer Hose nicht müde wurde, umher zu fegen und das Publikum ordentlich auf Trab zu halten, machten den Auftritt wieder absolut sehenswert.

Für den nächsten Act konnte man den Bereich vor der Bühne dann zum ersten Mal an diesem Tag als richtig voll bezeichnen. Kein Wunder, war es doch Zeit für eine Stunde Nu Metal mit Limp Bizkit. Gewohnt mit roter Kappe, Hemd und weiter Hose gekleidet und mit neu zugelegtem Hipster-Bart enterten Fred Durst und seine Mannen die Soulstage, um dem begeisterten Publikum die Audienz zu erweisen und die zur Freude der Fans besonders viele Songs aus ihrem erfolgreichsten Album, Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water, spielten. Moshpits, im Takt mitwippende Arme und, auf Befehl von Fred Durst, kollektives Gehüpfe waren bei Hits wie Rollin', My Generation oder My Way natürlich vorprogrammiert.

Sabaton | via
Auf ein anderes Metal-Genre und deutlich mehr Show setzen Sabaton bei ihren Konzerten. Neben dem üblichen häufigen Einsatz von Pyrotechnik bot der Auftritt am Rock in Vienna noch etwas ganz Besonderes: Statt den üblichen fünf, tummelten sich diesmal gleich gut 30 Personen mehr auf der Bühne, da die Schweden ein Prager Orchester mitbrachten, das sie während des ein oder anderen Songs musikalisch unterstütze und The Final Solution ganz ohne Mittun der Band spielte. Auch die äußerst gut gelaunte Band um Sänger Joakim Brodén war wieder mal mit Feuereifer und -fontänen im Einsatz, und zwischen Songs wie Primo Victoria, Carolus Rex oder Ghost Division und kurzem Geplauder kam man den Noch ein Bier! Noch ein Bier!-Rufen des Publikums gerne nach, um das ein oder andere Bier zu exen. Mit Sabaton lässt sich eben immer gut feiern!

Ein letztes Mal Rock'n'Roll All Nite hieß es dann beim Festivalheadliner KISS, die sich jedoch erstmal eine gute halbe Stunde verspäteten und das Publikum auf eine mächtige Geduldsprobe stellten. Die Kultrocker wussten jedoch, das zu entschädigen, indem sie wieder mal eine Show der Extraklasse abzogen: viel Feuer, eine aufwändige Pyro-Show, Saiten- und Zungenakrobatik oder die Blutspuck- und Flugnummern von Gene Simmons wussten neben Hits wie I Was Made For Lovin' You, Lick It Up oder Detroit Rock City das Publikum zu begeistern und einen krönenden Abschluss des ersten Rock in Vienna Festivals hinzulegen.

Fazit: Große Reden, doch nicht wirklich viel dahinter - der groß angekündigte und einzigartig machende Unterschied zu anderen Festivals blieb aus. Ob sich das Rock in Vienna in einigen Konzept-Aspekten wirklich am Nova Rock orientiert hat, wird man wohl nicht erfahren. Fakt ist jedoch, dass das Festival definitiv vermehrt etwas für ältere Festivalbesucher ist, die es schätzen, nicht auf einen Campingplatz angewiesen zu sein und es sich vor allem leisten können, diesem unbestreitbar teuren Festival beizuwohnen. An den Preisen sollte unbedingt gearbeitet werden. Auch organisatorisch ist noch viel Luft nach oben, bessere Ausschilderungen für nicht-ortskundige Besucher und mehrere Eingänge, besonders für 3-Tages-Pass-Besitzer, sowie mehr Personal am Einlass (zu Stoßzeiten mussten manche angeblich gut ein bis zwei Stunden!! für das Bändchen anstehen) wären auf jeden Fall wünschenswert und auch der Eingang zum Wavebreaker sollte durchaus bis zum nächsten Jahr nochmal überdacht werden.
Unbestreitbar ist jedoch, dass das Rock in Vienna definitiv einige Top-Acts in die Hauptstadt holen konnte, und auch die Donauinsel erwies sich als tolle und geeignete Festival-Location. Das Konzept Stadtfestival ging auf jeden Fall voll auf. Ob ich auch im nächsten Jahr wieder dabei sein werde? Ich weiß es nicht. In den sozialen Netzwerken zeigt man sich aber zumindest offen für Verbesserungsvorschläge, und ansonsten lasse ich mich überraschen, was das Line-Up für 2016 bringen wird, denn immerhin ist es die Musik, die für mich im Vordergrund steht.

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