Swallow The Sun | 15.12.2015


Ich muss ja sagen, ich bin kein großer Fan von Weihnachten. Statt einer besinnlichen Vorweihnachtszeit und einem Fest der Liebe und Familie, trifft man in diesen Tagen eher auf allseits gehetzte und gereizte Mitmenschen, deren Frust sich dann oft gerade zu Heiligabend entlädt. Besonderer Dorn im Auge ist mir auch die weihnachtliche Beschallung, der man leider in den seltensten Fällen entkommt, egal, wie sehr man sich bemüht. Am vergangenen Dienstag tauschte ich dann aber O du fröhliche, Stille Nacht, heilige Nacht und Co. endlich gegen Rooms And Shadows und Hate, Lead The Way, denn ich fand mich zum Konzert der finnischen Doom Metal-Meister Swallow The Sun im Wiener Viper Room ein.

Gleich drei Supportbands waren an diesem Abend mit von der Partie. Den Anfang machten bereits um 19:15 Uhr die Wiener Dismal Lumentis, die leider nicht von der bekannten Opener-Problematik verschont blieben. So war das Publikum bei meinem Eintreffen noch recht spärlich vorhanden, an der sich nur wenige Meter von der Bühne befindlichen Bar war fast mehr los als im eigentlichen Zuschauerbereich. Davon ließ sich das Quartett aber nicht aus der Ruhe bringen, machte das Beste aus der Situation und wurde nicht müde, die Zuschauer zum Mitmachen zu animieren. Belohnt wurden sie dafür mit zumindest vereinzelten Headbangern und offensichtlich begeisterten Anwesenden. Dismal Lumentis überzeugten mit deutschsprachigem Dark-Thrash Metal und so bleibt nur noch zu sagen: Auftakt gelungen!

Geschlagene 25 Minuten sollten nun vergehen, bis die nächste Band die kleine Bühne im Viper Room in Beschlag nahm. Das stellte allerdings kein großes Problem dar, denn die Zeit konnte bestens genutzt werden, um sich ein neues Bier oder ein anderes Getränk zu holen und es sich währenddessen auf den Sitzgelegenheiten bequem zu machen. Das Besondere am Viper Room: Konzerte können aufgrund der unmittelbaren Nähe bei Bedarf auch bequem von der Bar aus mitverfolgt werden, was vor allem Konzertgängern, die sonst während Konzerten häufig den Saal verlassen, um sich etwas Neues zu trinken zu holen, sehr entgegen kommt.
Kurz vor 20:15 Uhr ging es dann mit Adimiron weiter im Programm. Zwar konnte man mittlerweile mehr aktive Zuschauer verzeichnen als noch bei Dismal Lumentis, von einem gut gefüllten Zuschauerbereich war allerdings noch immer nicht zu sprechen. Adimiron versorgten das Publikum mit progressivem Death-/Thrash Metal, womit sie in ihrer 18-jährigen Bandkarriere bereits einige Erfolge verbuchen können. Die Band gilt außerdem als eine der vielversprechendsten europäischen Metalbands, was sich an diesem Abend in Wien allerdings kaum bemerkbar machte. Das Publikum blieb auch hier größtenteils verhalten, zwar kamen ab und zu ein paar Animationsversuche von Frontmann Andrea, wirklich Stimmung wollte aber noch immer nicht aufkommen. Ein solider Auftritt, von dem ich mir allerdings etwas mehr erhofft hatte.

Während der Umbaupause für Wolfheart wollte sich der Zuschauerbereich dann nicht mehr so schnell leeren und man merkte: Es geht auf den Headliner zu. Als die Finnen schließlich die Bühne betraten, war das Publikum, das sich mittlerweile regelrecht dicht vor der Bühne drängte, wie ausgewechselt. Sofort herrschte eine großartige Stimmung im Viper Room, man ließ sich nur zu gern zum Mitklatschen animieren und auch die ersten kleinen Pits kamen zustande. Neben dem typischen finnischen Melodic Death Metal, der sofort zündete, brachten Wolfheart auch noch eine stimmige Lichtshow mit, die die ruhigeren Passagen bestens untermalte und den Viper Room in blaues und lila Licht tauchte. Der erste Auftritt auf österreichischem Boden verging wie im Flug und als Frontmann Tuomas Saukkonen schließlich den abschließenden Song Routa Pt. 2 ankündigte, kam erstmal Verwunderung auf und es war, als würde man aus einer Art Melo Death-Trance erwachen. Hoffentlich bald wieder!

Wer hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, Doom Metal sei ausschließlich schwerfällig und langweilig? Swallow The Sun jedenfalls wissen solche Vorwürfe gekonnt zu unterbinden und boten uns an diesem Abend einen ausgewogenen Mix aus Altbekanntem und Neuem. Das aktuelle Album "Songs From The North I, II & III" steht nicht nur im Zeichen der aktuellen Tour, sondern steuerte auch das Intro, zu dem die sechs Nordmänner die Bühne betraten, sowie die ersten beiden Nummern bei, zu denen das begeisterungsfreudige Publikum auch umgehend die Schädel kreisen ließ und freudig die Teufelshörner in die Luft streckte. Natürlich durften auch obligatorische Songs wie New Moon oder Cathedral Walls - bei dem für den Gastgesang von Anette Olzon leider auf das Band zurückgegriffen wurde - nicht fehlen. Hauptsächlich präsentierte uns die Band aber natürlich Songs ihres Triple-Albums, das auf eine Mischung aus Doom Metal und Folk-Songs setzt. Gegen Ende des Konzerts und bei den ruhigeren Darbietungen von The Heart Of A Cold White Land und Pray For The Winds To Come lief man dann schon fast Gefahr, ein wenig schläfrig zu werden und sich gedanklich bereits gen Bett zu bewegen. Mit den letzten beiden Nummern zogen Swallow The Sun das Tempo dann aber nochmal gehörig an und holten das Publikum wieder auf den harten Doom-Boden der Realität zurück und sorgten so für ein fulminantes Ende einer abwechslungsreichen Darbietung.

Fazit: Swallow The Sun haben mit "Songs From The North I, II & III" nicht nur ein interessantes Album geschaffen, sondern präsentieren dieses auch auf einer sehenswerten Tour. Der Viper Room konnte ebenfalls als stimmige Location mit gutem Sound und intimer Atmosphäre punkten.

Foto via

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