Nova Rock 2016 | Tag 1


Der erste offizielle Festivaltag stand für mich ganz im Zeichen der Red Stage, weshalb ich mich um kurz vor 15:00 Uhr zum Kerngelände aufmachte, um die britischen Progressive-Metaller TesseracT zu begutachten. Für die doch noch recht frühe Uhrzeit und nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die Sonne schon wieder runter knallte, als hätte es den Regen nie gegeben, hatten sich bereits erstaunlich viele Zuschauer vor die Bühne gewagt, um den Klängen des Quintetts zu lauschen. Songs wie Dystopia, Of Matter - Proxy oder Of Mind - Nocturne kamen gut an, wirken allerdings zu späterer Stunde bzw. auf einem Indoor-Konzert sicher weit besser.

Mit Atreyu im Anschluss stand auch schon das erste kleine Highlight an. Eine motivierte Band, deren Energie sich auch umgehend auf die in Scharen gekommenen Fans übertrug, und ein paar Songs, zu denen es sich gut moshen ließ - mehr brauchte es für die erste ausgelassene Nachmittagssause nicht. Das Bon Jovi-Cover You Give Love A Bad Name war dann das Stimmungs-Tüpfelchen auf dem I und Do You Know Who You Are? sitzt bis heute hartnäckig in meinen Gehirnwindungen.
Die unangefochtenen Stimmungsmacher des Nachmitags sollten aber Skindred um 17:00 Uhr sein. Bandchef Benji Webbe, wie immer top gestylt, dirigierte das spaßige Treiben von der Bühne aus, ließ hier und da einen frechen Spruch fallen und das Publikum Songs wie Kill The Power oder Sound The Siren singen. Apropos Publikum: Das machte wirklich alles mit. Egal ob singen, tanzen, pogen oder auf Kommando von Sänger Webbe in die Hocke gehen und in die Luft springen - die Meute zog begeistert mit und ließ sich selbst beim kurzen Justin Bieber-Einspiel nicht vertreiben.

Nach dieser Reggae-Metal-Hip Hop-Party ging es erst mal wieder zum Zelt, ehe zum herannahenden Sonnenuntergang erneut die Red Stage angesteuert wurde. Dort spielten Trivium, die wie gewohnt viele Fans anlockten, für gute Stimmung, Headbanger und ein paar Mosher sorgten, ansonsten allerdings nicht viel Neues mitbrachten. Auch die Interaktion mit dem Publikum scheint mir von Konzert zu Konzert weniger zu werden. Nach wie vor Wert auf Geplauder zwischendurch legen Bullet For My Valentine, die die Red Stage anschließend mit dem Knaller No Way Out in Beschlag nahmen und den Pit in den vorderen Reihen weiter toben ließen. Neben neuen Songs aus ihrem letzten Album Venom kamen auch die alten Hits, bei denen gefühlt jeder mitsingen konnte, nicht zu kurz.

Auf den Headliner der Red Stage, Disturbed, war ich an diesem Tag besonders gespannt. Mit Ten Thousand Fists wurde sogleich ein epischer Einstieg in das Set geboten, doch irgendwie wollte die von mir erhoffte Stimmung nicht wirklich aufkommen. Ob das an den gleißenden Scheinwerfern am Rand des Gelände-Bereichs, an der doch recht geringen Mosh-Rate oder an der Tatsache, dass man zwischendurch des Öfteren das Gejaule von Marco Wanda auf der Blue Stage rüberhörte, lag, vermag ich allerdings nicht zu sagen. Zumindest spielten Disturbed genügend Hits, um den Großteil des Publikums zum Mitsingen zu animieren. The Sound Of Silence wurde so tatsächlich zum Stimmungs-Highlight des Konzerts und mit Bestürzung musste ich feststellen, dass sich die Zuschauerreihen danach etwas lichteten. Traurig, wie die (einstigen?) Vorreiter des Nu Metal nun weitestgehend ausgerechnet mit einem Simon & Garfunkel-Cover in Verbindung gebracht werden. Apropos Cover: Diese häuften sich ebenso, je näher das Ende des Sets rückte. Zwar sorgte vor allem das Rage Against The Machine-Cover Killing In The Name Of für ausgelassene Stimmung, gegen ein paar weitere Eigenkompositionen der Headliner hätte ich aber auch nichts einzuwenden gehabt. Zumindest beim obligatorischen Ende mit Down With The Sickness kamen noch ein paar riesige Pits zustande und schufen das Bild, das ich eigentlich das gesamte Konzert über erwartet hatte.

Danach wurde es Zeit für den ersten und letzten Bühnenwechsel des Tages, denn auf der Blue Stage hatte sich der Special Late Night-Act EAV angekündigt. Die heimischen Pop-Rock-Urgesteine unterhielten Generationen übergreifend mit Hits wie Neandertal, Burli oder Ba-Ba-Banküberfall und sorgten für einen äußerst amüsanten Ausklang des Festivaltages.

Foto via (c) Alexander Blach

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