Nova Rock 2016 | Tag 3

Twisted Sister
Der vierte (für manche, aufgrund der Möglichkeit zur früheren Anreise, sogar schon der fünfte) Tag am Nova Rock - man sollte meinen, dass das Bild mittlerweile geprägt war von dreckigen Menschen, denen die Energie ausgeht. Nicht so jedoch in Nickelsdorf, Nova Rock ist schließlich nur ein Mal im Jahr und so wurden die letzten Kräfte mobilisiert, um den finalen Tag auf den Pannonia Fields nochmal so richtig auszukosten. Auch musikalisch hatte Tag vier noch so einiges zu bieten. Kurz vor 16:30 Uhr wurde - aufgrund der drückenden Schwüle und damit einhergehender körperlicher Probleme ein wenig später, als ursprünglich geplant - zunächst wieder mal die Red Stage angesteuert, da hier das ganze Festival über der Großteil der härteren Bands anzutreffen war.

Behemoth standen schon in den Startlöchern, um dem Publikum eine ordentliche satanische Messe zu bieten. Aufgrund der doch noch recht frühen Uhrzeit und obwohl sich die Wolken passenderweise immer weiter zuzogen, konnten die Polen zwar nicht die übliche Show auffahren, das Publikum aber mit Songs wie Ov Fire And The Void oder Conquer All dennoch in ihren Bann ziehen. Das grande finale in Form von O Father, O Satan, O Sun wurde allerdings vom Sound auf der Blue Stage, der wie so oft an diesem Wochenende herüber wehte, ein wenig überschattet. Mit Killswitch Engage im Anschluss kam weit mehr Energie ins Spiel bzw. in das Publikum. Unabkömmliche Evergreens wie Rose Of Sharyn und My Curse sowie neuere Hits á la In Due Time verfehlten ihre Wirkung nicht und sorgten für gute Stimmung und reichlich Moshpits. Einzig Leadgitarrist Adam Dutkiewicz fiel mit geschmacklosen Witzen und der übertrieben häufigen Benutzung seines Lieblingswortes "Fuck" wieder einmal unangenehm auf, doch das sind wohl Eigenarten, die man ihm ohnehin nicht mehr abgewöhnen kann.

Der vereinzelte Regen hielt an, doch wenn man Heaven Shall Burn heißt, braucht man sich absolut keine Sorgen zu machen, deshalb eventuell vor weniger Publikum spielen zu müssen. Gewohnt viel war vor der Bühne los, als das Quintett mit Hunters Will Be Hunted unter dem kurz zuvor entstandenen Regenbogen mit der musikalischen Apokalypse begann. Frontmann Marcus Bischoff gab wie gewohnt den fürsorglichen Onkel, fragte regelmäßig nach dem Befinden der Menge und stachelte diese im selben Atemzug dazu an, weiterhin Gas zu geben. Das Publikum kam dieser Aufforderung gerne nach, doch eigentlich wäre eine solche gar nicht nötig gewesen. Bei der schier endlosen Liste an Hits bilden sich die Pits immerhin fast von selbst und beim nächsten Besuch der Truppe darf man sich auch endlich wieder über ein paar neue Songs freuen, denn noch in diesem Herbst soll das neue Album der Thüringer auf den Markt kommen.

Danach wurde schnell die Bühne gewechselt, um den Deftones einen Besuch abzustatten. Zugegeben, bei einer Band wie dieser scheiden sich die Geister immer wieder und so war es nicht unbedingt verwunderlich, dass für einen Blue Stage-Co Headliner etwas weniger los war als gewohnt. Fans und Interessierte konnte die Band aus Kalifornien aber auf jeden Fall begeistern. So auch mich, denn die ruhigeren wie auch die härteren Passagen wussten gleichermaßen zu überzeugen und es war eine wahre Freude, den Herren beim Spielen zuzusehen. Allzu lange konnte ich mich jedoch leider nicht aufhalten, da auf der Red Stage bereits ein ganz besonderes Konzert auf mich wartete. Dem nächsten Mal Deftones fiebere ich aber jetzt schon entgegen!

Behemoth
Forty And Fuck It - so lauten Tourname und Motto der Glam-Legenden Twisted Sister derzeit. Nach 40 Jahren Bandbestehen segelt die Band ihrem Ende entgegen und sagt auf der derzeitigen Tour ihren Fans ein letztes Mal alles andere als leise Servus. Die Herren hatten zu diesem Anlass ein wahres Hit-Potpourri mitgebracht, legten noch dazu eine Energie an den Tag, die einige Konzertbesucher nur so staunen ließ, und sorgten so wohl für die fetzigste Show des Festivalwochenendes. Frontmann Dee Snider ließ es sich bei all dem Spaß aber auch nicht nehmen, noch ein paar ernstere Töne anzuschlagen. So gab es zahlreiche Dankesreden an Künstler wie Black Sabbath oder Judas Priest, auch die schrecklichen Vorfälle in Orlando kamen zur Sprache und der Überhit We're Not Gonna Take It wurde kurzerhand zur Kampfansage gegen die politische Situation erklärt. Von den zahlreichen Hits und den leidenschaftlichen Ansagen von Dee Snider ordentlich angestachelt, gab das Publikum dann nur zu gerne nochmal alles. Nach dem Abschluss-Doppel I Wanna Rock und S.M.F. kam es, wie es kommen musste: Der unausweichliche Abschied stand bevor, der nicht nur dem Publikum, sondern auch der Band sichtlich schwer fiel.

Wie sich bald darauf herausstellen sollte, waren Twister Sister für die meisten der eigentliche Festival-Headliner - und das aus gutem Grund. Die Red Hot Chili Peppers, die für einen fulminanten Festivalabschluss gebucht wurden, schafften es eher, das bis ganz nach hinten gefüllte Kern-Areal leer zu spielen, als den Zuschauern richtig einzuheizen. Keine Interaktion mit dem Publikum, einige Patzer - selbst bei oft gespielten Hits wie Dani California - und eine sehr zurückhaltende Stimmung veranlassten mich und viele andere zum baldigen Rückzug, um das Gepäck zu schultern und die Heimreise anzutreten.

Fazit: Auch die nunmehr zwölfte Ausgabe des Nova Rock Festivals darf als gelungen betrachtet werden, allerdings sind mir heuer, im Vergleich zu vorherigen Festivalausgaben, ein paar negative Sachen aufgefallen:
Funktionierte die Reinung der Sanitäranlagen und der Dixies in den letzten Jahr bereits hervorragend, war heuer ein eindeutiger Rückschritt zu verzeichnen. Nicht nur wurden die Dixies weit seltener als z.B. im Vorjahr ausgeleert, auch bei den Sanitäranlagen neben den Bühnen hatte man oft das Problem, einige verstopft vorzufinden.
Gerade in Zeiten wie diesen sind angemessene Kontrollen auf Großveranstaltungen extrem wichtig geworden. Dass heuer so lasch kontrolliert wurde, hätte ich vor allem aus gegebenem Anlass nicht erwartet. Tasche und Kopfbedeckung wurden - zumindest zu Zeiten, zu denen ich in das Kerngelände wollte - zwar meist kontrolliert, abgetastet wurde allerdings selten. Zu Stoßzeiten wurde überhaupt nur der Besitz eines gültigen Bändchens kontrolliert, danach wurde man ohne Weiteres weiter geschickt. Einige Gäste sollen selbst mit Rucksäcken ohne größere Kontrollen hinein gekommen sein. Erschreckend, wenn man bedenkt, was da hätte passieren können.
Auch der Sound war heuer wieder ein Problem. Die unfreiwilligen Mashups, die vor allem wieder bei der Red Stage enstanden, wurden von vielen beklagt. Hoffentlich wird hierfür bald eine Lösung gefunden. Ansonsten bewährte sich das neue Gelände aber auch heuer wieder.
Das neue Cashless-System funktionierte erstaunlich gut und wenn man entsprechende Vorkehrungen trifft, muss es auch nicht passieren, von nicht ganz so ehrlichem Barpersonal übers Ohr gehauen zu werden. So verbleibe ich heuer mit ein wenig gemischten Gefühlen und hoffe, dass das Nova Rock 2017 etwas von seinem alten Glanz zurück erhält.

Fotos via (c) Alexander Blach

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