Two Days a Week 2016

Five Finger Death Punch
Two Days a Week und Wiesen - bis vor wenigen Monaten waren das noch zwei Komponenten, die fest zusammen gehörten. Doch als Ewald Tatar im Herbst seine Festivals zusammenpackte und der Ottakringer Arena im Mittelburgenland den Rücken kehrte, ging eine Ära voller legendärer Festivals in bester Kulisse zu Ende. Das Bangen um die ehemaligen Wiesen Festivals hatte schließlich ein Ende, als ein paar Wochen nach der offiziellen Abwanderung bekanntgegeben wurde, dass die Festivals anderorts weitergeführt werden. Zumindest zwei der Festivals blieben im Burgenland, der Rest wanderte nach Wien ab. So auch das Two Days a Week, das mit der Startnummer drei am vergangenen Mittwoch in neuer Location über die Bühne ging.

Mittwoch, 06. Juli 2016, Marx Halle im dritten Wiener Bezirk: Zum ersten Mal führte mich mein Weg zu dieser Location, in der seit heuer die meisten der ehemaligen Wiesen Festivals untergebracht sind. An besagtem Tag ging dort das Two Days a Week Festival über die Bühne, das ich zuletzt vor rund vier Jahren besucht hatte und nun ohne das einmalige Flair der Ottakringer Arena im Mittelburgenland auskommen muss. Als großer Fan des alten Geländes war ich umso gespannter, wie das Festival am neuen Austragungsort umgesetzt wurde. Doch die Ernüchterung sollte bereits am Einlass folgen: Wirkte das Gelände auf der vom Festivalpark Marx Halle geposteten Grafik recht vielversprechend, sah die Realität dann doch etwas anders aus. Von Beginn an war der Bereich vor der Halle äußerst gut gefüllt und so wurde, wie sich später noch herausstellen sollte, vor allem das Gelangen in die bzw. aus der Halle aufgrund des schmalen Eingangsbereiches oft zum Spießrutenlauf. Festivalfeeling kam also erstmal nicht auf.

Zumindest musikalisch bot das Two Days a Week aber weiterhin das, was man sich von diesem Festival erwartete. Von Rock über Metal bis hin zu Punk war auch heuer wieder für jeden Freund der Gittarenklänge etwas dabei. Zwar hatte das Angebot an Bands aufgrund der heuer nur eintägigen Dauer verständlicherweise abgespeckt, dennoch wurde wieder ein Line Up geboten, das Rockfans von einem Besuch überzeugte. Feine Sahne Fischfilet waren die erste von insgesamt sechs Bands und eröffneten das Festival um 15:00 Uhr. Zum Auftritt der kanadischen Post Hardcore-Formation Silverstein betrat ich zum ersten Mal die Marx Halle. Dem eher bescheidenen Sound trotzend, versorgte der Fünfer aus Ontario das noch recht überschaubare, aber begeisterungsfähige Publikum mit Songs wie Smashed Into Pieces, Call It Karma und ihrem Hit My Heroine. Trotz noch recht früher Festival-Stunde kam bereits der erste beachtliche Cirle Pit zustande und auch der Sympathie-Faktor ging nicht verloren. So erheiterte Sänger Shane Told unter anderem mit dem Versuch, den Namen ihrer Vorgänger Feine Sahne Fischfilet korrekt auszusprechen.

Der Großteil des Outdoor-Bereiches auf einen Blick
Neben der Bühne befanden sich in der Halle weitere Getränke-Stände, der Merchandise-Stand sowie die Toiletten, die nach dem Auftritt von Silverstein aufgesucht wurden. Zum Glück wurden für die Umbaupausen zwischen den Acts immer etwa 30 Minuten einberechnet, denn zusätzliche Dixies im Außenbereich gab es leider nicht und so musste man gut und gerne mal um die 10 - 15 Minuten anstehen.

Pünktlich zum Auftritt der nächsten Band, Irie Révoltés aus Heidelberg, stand ich jedoch wieder vor der Bühne und wurde Zeuge von deren Live-Qualitäten. Die Band ist nicht nur bilingual unterwegs, sondern vereint auch gleich vier Genres – Ska, Reggae, Dancehall und Hip Hop - in ihrem Sound, der das Publikum umgehend zur Bewegung animierte. Auch die Band selbst gab ordentlich Gas und wurde nicht müde, das Publikum weiter anzustacheln. Bei einem einstündigen Slot und der Tatsache, dass es mittlerweile ziemlich warm in der Halle war, eine beachtliche Leistung! Gogol Bordello waren Irie Révoltés zahlenmäßig zwar etwas unterlegen, stimmungsmäßig jedoch ebenbürtig. Die New Yorker Gypsy Punks sind aber nicht nur aufgrund ihrer Musik, sondern auch in Sachen Livedarbietung eine Nummer für sich. So wurde zwar ausgelassen gemosht und das Tanzbein weiter geschwungen, allerdings stieß die Truppe bei dem ein oder anderen Besucher auch auf etwas Unverständnis.

Ich gehörte zu Letzteren und so trat ich gegen Ende des Konzerts wieder aus der Halle, um Luft zu schnappen und mich nach einer Stärkung umzusehen. Das kleine Outdoor-Areal bot neben einem Ottakringer Braualtar einen CD-Stand, eine Ottakringer-Fastlane, Sitzgelegenheiten, einen Getränkestand sowie drei Anlaufstellen für Essbares, an denen man sich mit Rockfood, verschiedensten Brezeln und Sandwiches zu typischen Festivalpreisen stärken konnte. Direkt angrenzend befand sich der Abstellplatz für die Tourbusse, auf dem man ein paar Stunden zuvor Five Finger Death Punch-Fronter Ivan Moody und ein weiteres Crewmitglied erspähen konnte. Einer der Vorzüge eines kleineren Festival-Areals.

Flogging Molly
Mit Flogging Molly um 20:40 Uhr standen nicht nur echte Garanten für schwingende Tanzbeine auf der Bühne, sondern bereits die Co-Headliner der heurigen Two Days a Week-Ausgabe. Mittlerweile war die Halle brechend voll, Band und Publikum waren gleichermaßen gut gelaunt und feierten zusammen zu Songs wie Saints & Sinners, Revolution und Devil's Dance Floor. Wer sich bei den Bands zuvor noch etwas zurückgehalten hatte, gab spätestens jetzt ordentlich Gas und es gab vor allem im vorderen Bereich kaum jemanden, der nicht - in welcher Art und Weise auch immer - zu den fröhlichen Folk-Punk-Songs mitging.

Den Headliner gaben die kalifornischen Modern Metal Heroen von Five Finger Death Punch, die mit zehnminütiger Verspätung die Bühne enterten und vom bereits ungeduldig wartenden Publikum lautstark empfangen wurden. Ohne viel Zeit zu verlieren, wurde bereits der erste Hit, Lift Me Up, rausgeschossen und das Spektakel nahm seinen Lauf. Wie für eine Setlist der Amerikaner üblich, bestand auch das Aufgebot am Two Days a Week ausschließlich aus Hits; Songs wie Hard To See, Coming Down oder Burn MF sorgten für breitflächige Ekstase. Bei letzterem Song durften sich ein paar Fans über einen besonderen Moment freuen und wurden auf die Bühne gebeten, um diesen gemeinsam mit der Band abzufeiern. Generell gab sich die Band wieder sehr Fan bezogen und zeigte sich mit der Akustik-Performance von Wrong Side Of Heaven und Battle Born, bei denen das Publikum lauthals einstimmte, auch von ihrer gefühlvollen Seite. Mit diesen besonderen Momenten im Gedächtnis wurde das Publikum schließlich um kurz vor Mitternacht entlassen und das erste Two Days a Week Festival, das außerhalb von Wiesen stattfand, war vorbei.

Fazit: Sämtliche Festivals mehr oder weniger kurzfristig von der altbekannten Location abzuziehen und für alle Veranstaltungen eine neue Heimat zu finden, ist gewiss kein Zuckerschlecken und so gebührt Ewald Tatar und seinem Team vollster Respekt für diese Leistung. Ob nur als Zwischenlösung oder dauerhaft, das Areal der Marx Halle ist aber definitiv noch ausbaufähig. Vom kaum aufkommenden Festivalfeeling kann man hier auch mal absehen, denn die Halle bietet den großen Vorteil, das Festival unabhängig von den Wettergegebenheiten abhalten zu können. Dennoch empfand ich den Outdoor-Bereich auch für ein eintägiges Event, das noch dazu unter der Woche stattfand, als zu klein - vor allem, da das One-Way-Prinzip galt. Sprich: Es gab leider keine Bänder und so konnte man das Areal nach Eintritt nicht mehr verlassen. Akustisch ist die Marx Halle zwar (noch) nicht dort, wo sie sein könnte, die gebuchten Bands sorgten aber dennoch für gute Stimmung.
Im Großen und Ganzen kann man das erste Two Days a Week abseits von Wiesen aber durchaus als gelungen betrachten, Verbesserungen zum nächsten Jahr werden mit Sicherheit unternommen. Ich bin jedenfalls schon gespannt, was das nächste Jahr bringt - dann aber bitte wieder namensgerecht an zwei Tagen!

Fotos via


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