Jinjer | 28.10.2016


Für die ukrainische Groove-/Progressive Metal-Formation Jinjer könnte es gerade kaum besser laufen, denn derzeit gerät ihr musikalischer Stein ins Rollen und die internationale Aufmerksamkeit steigt. Ein neues Album, das über das heimische Label Napalm Records erschienen ist, und viele Live-Auftritte – die Band kann sich endlich in ihrer vollen Pracht präsentieren. Seit Ende September sind Jinjer auf großer King Of Everything-Tour, machten im Zuge dieser am vergangenen Freitag auch im Wiener Viper Room Halt und wussten die in Scharen gekommenen Fans restlos zu begeistern. Mit Camp Chaos und Eyes In The Void waren auch zwei lokale Support-Acts am Start, die bereits vorab für einen äußerst gelungenen Einstieg in den Konzertabend sorgten.

Der Start in das wohlverdiente Wochenende, mit dem ein oder anderen Getränk in der Hand, in Gesellschaft von Gleichgesinnten und dazu noch erstklassige (Live-)Musik - beste Voraussetzungen für einen gelungenen Konzertabend. Kaum verwunderlich, dass die Stimmung da schon zu früher Stunde ausgelassen war. Die Opener Camp Chaos hatten somit leichtes Spiel und durften sich zusätzlich noch über ein bereits nahezu brechend volles Auditorium freuen - ein Szenario, das vielen anderen Anheizer-Bands leider oftmals verwehrt bleibt. Das Publikum nahm den Stil-Mix, den die Band mit den Schlagworten Death, Core und Melodic beschreibt, begeistert und hochmotiviert an und die ersten Headbanger begannen sich aufzuwärmen. Das freute natürlich auch die aus Niederösterreich stammende Band, die ebenso alles gab und den etwa 45-minütigen Auftritt absolut sehenswert machte.

Eyes In The Void im Anschluss brachten nicht nur eine geballte Ladung Melodic Death Metal mit, sondern konnten das mittlerweile in Scharen anwesende Publikum sogar noch weiter in Verzückung versetzen. Das gekonnte Zusammenspiel aus eingängigen Melodien und Brachialität, sowie Frontmann Phillip Bocks zusätzliche Rolle als Entertainer ließen die Stimmung weiter steigen und animierten zusehends zu weiterer Bewegung im Zuschauerraum.

Nach der doppelt geglückten Aufwärmphase wurde es um kurz nach 22:30 Uhr aber Zeit für den bereits sehnlichst erwarteten Headliner Jinjer. Aufgrund der kleinen Verspätung wurde die herrschende ungeduldige Spannung noch greifbarer, die sich schließlich in donnernden Applaus und ausgelassenen Jubel entlud, als das Quartett um Frontfrau Tatiana Shmailyuk endlich die Bühne enterte. Die bereits zuvor ausgelassene Stimmung hatte nun endgültig ihren Zenit erreicht, Hörner wurden in die Höhe gestreckt, Haupthaar geschüttelt, erste Pits bildeten sich und die Temperatur stieg unaufhaltsam in die Höhe, während die Band aus der Ukraine einen Nackenbrecher nach dem anderen aus dem Köcher zog. Jinjer bewiesen eindrucksvoll, wieso sie sich derzeit vom genialen Geheimtipp zu einer internationalen Größe mausern und das - wenn mir die Bemerkung gestattet ist - vollkommen zurecht: Allein der instrumentale Part aus Groove- und Progressive Metal-Elementen ist schon hörenswert, absolut episch wird es jedoch erst mit der Beifügung der unverwechselbaren Stimme von Frontfrau Tatiana: Egal ob tiefe Growls oder gefühlvolle Clean-Passagen, Tatiana legt ein Stimmspektrum an den Tag, über das man nur mit offenstehendem Mund staunen kann. Auch live und trotz unermüdlichem Einsatz auf der Bühne saß jeder Ton perfekt. Umso enttäuschender war es, dass die Show lediglich eine knappe Stunde mit einer Zugabe in Form von Outlander dauern sollte. Aufgrund ihrer stetig wachsenden Popularität und der überaus positiven Resonanz des Publikums wird es allerdings sicher nicht lange dauern, bis wir Jinjer wieder in den heimischen Gefilden begrüßen dürfen.

Fazit: Jinjer sind nicht nur auf CD, sondern auch auf der Bühne ein absoluter Hochgenuss, wie sie auch im Wiener Viper Room eindrucksvoll unter Beweis stellten. Dem Status "genialer Geheimtipp" sind sie mittlerweile entwachsen und es wird sicherlich nicht mehr lange dauern, bis wir Jinjer nur noch in größeren Hallen live zu sehen bekommen. Ebenso sehenswert und begeisternd waren die lokalen Support-Acts Camp Chaos und Eyes In The Void, die ihren fixen Platz in der heimischen Musikszene deutlich machten.

Foto via (c) Marcin Chalupka

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