Caliban & Suicide Silence | 08.12.2016


Wenn man die letzten Ersparnisse, die nicht den Weihnachtseinkäufen zum Opfer fielen, zusammenkratzt, um kurz vor der besinnlichsten Zeit des Jahres nochmal die Arena Wien zu stürmen, hat sich mit ziemlicher Sicherheit ein ganz besonderes Event angekündigt. Core-Fans hatten am vergangenen Donnerstag eine der letzten Gelegenheiten in 2016, sich nochmal richtig auszutoben. Mit Caliban und Suicide Silence, die seit zwei Wochen auf gemeinsamer Europa-Tour sind, hatte sich ein ordentlich schweißtreibendes Konzert angekündigt.

Der Startschuss fiel mit 19:25 Uhr schon recht früh. Los ging es mit der 2012 gegründeten Band To The Rats And Wolves, die den Abend mit einer Portion Metalcore mit Electro-Einflüssen und viel Motivation einläuteten. Zwar konnten die Klänge der Band schon einige Interessierte in die große Halle der Arena locken, die Zustimmung erfolgte aber eher noch in Form von rhythmischem Kopfnicken als erster großer Bewegungsfreude.

Ganz anders sah es da schon bei Any Given Day im Anschluss aus. Das Auditorium war nun deutlich gefüllter und als die Band um Frontmann Dennis Diehl um 20:10 Uhr die Bühne enterte, war die (Wiedersehens-)Freude der Fans groß - obwohl oder gerade weil das Quintett erst im vergangenen Mai zuletzt in Wien zu sehen war. Frontmann Dennis musste nicht lange um den ersten Pit bitten, bei dem Erfolgsrezept der Gelsenkirchener aber auch kein Wunder. Das gekonnte Zusammenspiel aus Breakdowns und Melodie, Scream- und cleanen Vocal-Parts riss die Fans umgehend mit und wusste auch Zuschauer, die die Band zuvor nicht gekannt hatten, zu überzeugen.

Für das erste richtige Stimmungshoch sorgten schließlich Suicide Silence. Mit dramatisch angehauchtem Bühnenbild und unter frenetischem Jubel betrat die Band nach kurzer Umbaupause die Bühne und legte sogleich in bekannter Deathcore-Manier los. Die aufgesparten Energiereserven der Fans wurden umgehend mobilisiert und in ersten Pits freigelassen, Stimmbänder fanden sich beim Mitgröhlen der Texte oder extatischen Kreischen ebenso bis aufs Äußerste strapaziert. Haupt-Schreihals und Frontmann Eddie Hermida lief rastlos von einem Ende der Bühne zum anderen, stachelte die Meute zwischen Hits wie You Can't Stop Me, No Pity For A Coward und natürlich You Only Live Once weiter an und rührte so ganz nebenbei die Werbetrommel für das neue Album, das Anfang nächsten Jahres veröffentlicht wird.

Genau wie Suicide Silence sind auch Caliban Helden des Genres und heute aus der Szene nicht mehr wegzudenken. Immer fleißig auf Tour und auch hierzulande oft zu Gast und gerne gesehen, sollte man meinen, dass man über ein Konzert der Band kaum noch ein Wort zu verlieren braucht. Auch das Konzert in der Wiener Arena lautet in der Kurzfassung: sympathisches Auftreten, ausgezeichnete stimmliche Darbietungen und jede Menge Hits. Was sich vielleicht wenig anhört, ist in Wirklichkeit aber natürlich noch viel mehr. Zum Beispiel das Bühnenbild, ein echter Hingucker, die durchgehend gute Stimmung auf und vor der Bühne, die häufige Interaktion von Frontmann Andy Dörner und die Tatsache, dass sich Beine und Köpfe zu Songs wie Memorial, Paralyzed, Davy Jones oder We Are The Many wie von selbst bewegen. So verging auch dieses Konzert wieder wie im Flug und Caliban zeigten ein Mal mehr, wieso sie zu den wichtigsten deutschen Metalcore-Exporten zählen. 

Fazit: Kurz vor Weihnachten beschenkten zwei wahre Szene-Größen ihre Fans mit einer ganz besonderen Konstellation, die Core-Herzen höher schlagen ließ, eine der letzten Live-Möglichkeiten in 2016 bot und so ganz nebenbei ein Mal mehr unter Beweis stellte, wieso sie in den letzten Jahren zu den wichtigsten Vertretern ihres Genres aufgestiegen sind.

Foto via volume.at (c) Nadine Papst

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