Devin Townsend Project | 14.02.2017


Valentinstags-Frust? Nicht mit Devin Townsend! Die musikalische Ruhelosigkeit in Person lud am vergangenen Dienstag zu einem Konzert in die Wiener Arena und wusste auch Gegnern des kitschigsten Tages im Jahr einen unvergesslichen Abend zu bescheren.

Bereits der Opener Leprous trug hierzu bei. Musikalisch ebenso schwer einzuordnen wie die beiden Bands, die noch folgen sollten, bewegen sich die Norweger irgendwo in den breit gefächerten Sphären des Progressive Metal mit vielen verschiedenen Einflüssen. Die genaue Genre-Defintion zu finden ist letztendlich aber ohnehin nebensächlich, viel wichtiger ist die musikalische Darbietung - und die war ohne jeden Zweifel phänomenal. Leprous zeichnen sich durch technische Finesse und feinste Gitarren-Riffs aus, die durch Sänger Einar Solbergs auf Tool-Pfaden wandelnd anmutende Stimme ergänzt wird und so zu einem progtastischen Gesamtkunstwerk verschmilzt, das auch vor Publikum ein absoluter Hochgenuss ist. Live funktioniert Solbergs Stimme sogar noch besser und brachte zudem eine gewisse Dramatik in der Darbietung mit sich. Mit The Flood sorgte das Quintett für einen ganz großen Gänsehaut-Moment, ehe mit Rewind im Anschluss sogar die Möglichkeit zum Headbangen bestand, um anschließend mit Slave wieder ruhigere, wenngleich nicht weniger epische Töne anzuschlagen. Lange Rede, kurzer Sinn: Leprous legten in Sachen Abwechslungsreichtum und musikalisch eine absolut sehenswerte Performance hin, die des Headliners absolut würdig, um nicht zu sagen ebenbürtig, war und die Arena zurecht schon zu früher Stunde füllte.

Die meisten Bands beginnen ihr Set entweder pünktlich oder mit kleiner Verspätung, Between The Buried And Me standen allerdings schon ein paar Minuten vor geplantem Start auf der Bühne, weshalb sich so mancher noch schnell von der Bar oder dem angrenzenden Raucherhof loseisen musste, um noch einen guten Platz in der mittlerweile noch gefüllteren Halle zu ergattern. Geboten wurde auch hier ein komplexes, abwechslungsreiches Set, das jedoch brachialer und grooviger daherkam als das von Leprous. Dass die US-Amerikaner auch hierzulande einen gewissen Bekanntheitsgrad haben, merkte man schon frühzeitig an der begeisterten Aufnahme von Songs wie The Coma Machine oder Lay Your Ghosts To Rest, den begeisterten Text-Mitsingern, den Headbangern in den brachialeren und den Mitwippern in den ruhigeren Songpassagen, die sich bei in einem für Between The Buried And Me typischen, ständigen Wechsel befinden. So ging auch der Auftritt der zweiten Supportband wie im Flug vorbei und nun hieß es warten auf den Headliner.

Eine geschlagene halbe Stunde musste man nun ausharren, bis Mastermind Devin Townsend in Begleitung seiner Band die Bühne enterte. Kurz vor 22:00 Uhr setzte schließlich endlich das Intro ein und sofort schlug die zuvor schon fast greifbare Spannung in Euphorie um, was der Band einen frenetischen Empfang und mit dem Einstiegssong Rejoice von Anfang an gute Stimmung bescherte. Das zum Besten gegebene Songmaterial beschränkte sich auch diesmal nicht nur auf Songs, die unter dem aktuellen Projekt "Devin Townsend Project" veröffentlicht wurden; auch Songs wie Night oder Suicide, die unter die "Devin Townsend" bzw. "Devin Townsend Band"-Zeiten fallen, wurden gespielt, jedoch nicht minder begeistert aufgenommen. Geboten wurde somit ein volles Unterhaltungsprogramm: Im einen Moment lachte man noch über einen von Devins Witzen oder headbangte zu einem der härteren Stücke, während man sich im nächsten Moment zu einer "kitschigen 80ies-Ballade" in den Armen lag - oder dazu crowdsurfte. Ein besonderes Extra enthielt dann noch der Zugabenteil bereit, der auf Wunsch eines Fans spontan um eine akustische Kurzdarbietung von Strapping Young Lads Love? erweitert wurde, ehe es mit Ih-Ah! nochmal richtig schön und mit Higher ein letztes Mal richtig episch wurde. Herz, was willst du mehr?

Fazit: Erneut tat Devin Townsend genau das, was er immer tut: ein sehenswertes Set zuammenstellen, einen Witz nach dem anderen reißen und damit restlos begeistern. Die hierzulande leider nur selten anzutreffenden Supportbands Between The Buried And Me und Leprous wussten die Ohren des Publikums mit ihren komplexen Kompositionen ebenso zu umschmeicheln und das Konzert optimal zu ergänzen. Ein Abend, wie er wohl schwer noch hätte getoppt werden können.

Foto via volume.at (c) Michaela Kuch

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