Amenra | 08.11.2017


Wenn man sich an einem Mittwochabend in die Szene Wien begibt, um von Weihrauch eingehüllt in die tiefsten Untiefen des Sludge abzutauchen, kann das nur eines bedeuten: die Genre-Vorreiter Amenra erweisen uns endlich wieder mit einem Wien-Konzert die Ehre. So geschehen diese Woche, als sie im Rahmen ihrer Tour anlässlich zur Veröffentlichung von Mass VI auch hierzulande gastierten und dabei von zwei heimischen Bands unterstützt wurden.

Mit kleiner Verspätung sorgten die Linzer Ceveo für den Einstieg. Die Band gab an diesem Abend ihr letztes Konzert für dieses Jahr und begann den Abend mit eher ruhigem Post Rock. Hauptsächlich ohne Vocals auskommend, zauberte sie Soundwände, die eine von Song zu Song dichter werdende Atmosphäre schufen. Das Potential war auf jeden Fall vorhanden, leider konnte mich das Dargebotene aber durch die immer wieder erneut abschwächenden Passagen nicht zur Gänze in seinen Bann ziehen und vermochte mich eher einzulullen als mitzureißen. Anders sah das schon bei Dhark aus, die als zweite Band des Abends die Bühne betraten und ihr letztes Konzert spielten, bevor es wieder ins Studio geht. Das Trio, das bis vor Kurzem noch unter dem Namen Prometheus bekannt war und mit der Namensänderung auch neue musikalische Wege einschlug, präsentierte dem Publikum einen fabelhaften Mix aus Prog- und Doom-Klängen mit stellenweise zweistimmigen Vocals, die zum Headbangen einluden.

Dass aber die Headliner Amenra das düstere Highlight des Abends werden würden, war schon in den ersten Momenten des Konzerts klar. Ab 22:00 Uhr wurde die Szene in Weihrauch gehüllt und von einer düster-bedrückenden Atmosphäre überzogen, die visuell durch eine Leinwand mit passenden Videosequenzen, viel Rauch und einer spärlich, aber absolut stimmigen Ausleuchtung der Band erzeugt wurde. Durch den dargebotenen Sludge-/Post Metal wurde dies natürlich von selbst verstärkt und das zuhauf erschienene Publikum wurde mühelos in den Bann gezogen. Auch die Band selbst schien während des Auftritts wie in einer anderen Welt, vor allem Frontmann Colin H. Van Eeckhout, der dem Publikum die meiste Zeit den Rücken zuwandte, machte einen entrückten Eindruck. Stücke wie Terziele, Razoreater oder der Einstiegssong Boden und Neuerscheinungen á la Children Of The Eye ließen auch den geneigten Zuhörer sofort in die Tiefen des Sludge eintauchen und erst wieder Luft holen, als die letzten Takte von Diaken verklangen.

Fazit: Amenra bewiesen ein Mal mehr, wieso sie zu den wichtigsten Vertretern der Sludge-/Post Metal-Richtung zählen. Ihre Konzerte sind ein Garant für Intensität und nehmen das Publikum mit ihrer Performance von selbst ein. Kurzum: Brutal vertonter Weltschmerz, der auf düsterste Art zu berühren weiß und einen so schnell nicht mehr loslässt.

Foto via (c) Tyler Drainville

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