Leprous | 18.11.2017


Erst wenige Monate ist es her, dass uns die Norweger Leprous in Wien einen Besuch abstatteten, damals im Vorprogramm von Devin Townsend. Gestern sollte es erneut soweit sein, diesmal allerdings als Headliner im Rahmen ihrer Malina-Release Tour. Ort des Geschehens: Die Szene Wien, die an diesem Abend restlos ausverkauft war.

Den Anfang machten Astrosaur um 19:30 Uhr, die ihr Set vor einer beachtlichen Anzahl an Zusehern begannen. Das mochte aber nicht nur dem Wochenende geschuldet sein, wie das Trio aus Norwegen schnell klarmachte. Geboten wurde experimentelle Instrumental-Musik, die in ihren Bann zu ziehen wusste und wofür die Band reichlich Zustimmung erntete. Auch die darauffolgenden Australier AlithiA konnten sich ihrer Zustimmung sicher sein, da sie zu Anfang von einigen Fans begrüßt wurden. AlithiA präsentierten einen fast schon exotischen Mix, den sie als Astral Space Core bezeichnen. Musik, die zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftig ist und nicht bei jedem der anwesenden Konzertbesucher Anklang fand, den Nerv der Zugeneigten aber genau traf und für weiteren Stimmungsanstieg sorgte. Auch die Bewegung stieg und bei Sacrifice kam sogar ein kleiner Pit zustande.

Auch Agent Fresco konnten schon eine ordentliche Fanquote für sich verzeichnen. Der zu Beginn aufbrandende donnernde Applaus inklusive Jubelrufen ließ denken, bereits den Headliner vor sich zu haben. Agent Fresco machten ihrer isländischen Herkunft erneut alle Ehre: Ungezähmt, anmutig und unergründlich ist nicht nur die dortige Landschaft, sondern auch ihre Musik, die Melancholie mit einem Hauch Düsternis versprüht, aber dennoch eine gewisse Leichtigkeit besitzt und das Publikum damit zu verzaubern wusste. Songs wie Wait For Me, He Is Listening oder Dark Water verfehlten ihre Wirkung nicht und sorgten für lautstarke Forderungen nach einer Zugabe, als die Band die Bühne gegen 21:50 Uhr wieder verließ. Dieser konnte aus Zeitgründen nicht nachgekommen werden, Sänger Arnór Dan Arnarson versprach jedoch, mit einem neuen Album zurückzukommen.
Um 22:10 Uhr war es an Leprous, die ohnehin schon ausgezeichnete Stimmung noch zu toppen. Ebenso frenetisch wurden auch die Norweger willkommen geheißen, die mit Bonneville aus ihrem neuesten Album und Tour-Anlass Malina den Einstieg in eine Setlist voller Hits und eine progtastische Show gaben. Leprous zeichnen sich durch technische Finesse und feinste Gitarren-Riffs aus, die durch Sänger Einar Solbergs auf Tool-Pfaden wandelnd anmutende Stimme ergänzt wird und sich auch diesmal als absoluter Hochgenuss erwies. Zusätzliche Verstärkung gab es diesmal von Cellist Raphael Weinroth, der die sehenswerte Performance stimmig ergänzte. Die Stimmung erreichte ihren Zenit und ließ das Publikum headbangen, springen und tanzen und zu Songs wie Illuminate oder From The Flame ihre Textsicherheit unter Beweis stellen. Nach dem Schluss-Doppel Rewind, das etwas verkürzt gespielt wurde, sowie dem Übersong Slave sollte es das eigentlich gewesen sein, doch auch hier forderten die Fans laustark eine Zugabe. Diesmal mit Erfolg, denn kurz darauf kamen Leprous erneut auf die Bühne, um The Weight Of Disaster zum Besten zu geben. Nach über eineinhalb Stunden in den Prog-Sphären der Norweger war dann aber wirklich Schluss.

Fazit: Der Abend in der Szene bot genau das, wofür das Prog-Genre steht: Diversität, Komplexität und Abwechslung. Alle Bands sorgten für reichlich Anklang und gute Stimmung und stellten eindrucksvoll unter Beweis, was diese Tour so sehenswert macht.

Foto via (c) Pólvora

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