Vienna Metal Meeting 2019


Endlich wieder Festivalzeit! Am Samstag führte mich mein Weg in die Wiener Arena, wo mit der dritten Ausgabe des Vienna Metal Meetings mein erstes Festival der Saison anstand. Um 13.30 Uhr erfolgte der Startschuss in der großen Halle mit den Melodic Doom Metallern Doomas, im Anschluss eröffneten die heimischen Thrasher Enclave bei idealem Festivalwetter die Open Air-Bühne, die heuer erstmals auch am Vienna Metal Meeting bespielt wurde. Kaum angekommen, stand auch schon mein erstes Highlight ins Haus. Die Black Metal-Formation Ellende aus Graz ist nicht umsonst eine der heimischen Vorzeige-Bands des Genres, wie sie uns auch in der Arena unter Beweis stellen sollten. Unter regem Zuschauer-Andrang lieferte das Quintett eine enorm einnehmende Darbietung, die einem trotz des schwülen Wetters und der bereits auf Betriebstemperatur gebrachten Halle eine Ganzkörper-Gänsehaut bescherte.

Auch der Open Air-Auftritt von Fleshcrawl war gut besucht. Die Deutschen lieferten Old School Death Metal allererster Güte und sorgten für Begeisterung und schwingendes Haupthaar im vorderen Bereich, während die hinteren Reihen das Spektakel gemütlich im Gras sitzend verfolgten. Auch Chapel Of Disease, die im Anschluss die Indoor-Bühne enterten, brachten den Anwesenden Death Metal näher und sorgten für ein weiterhin brechend volles Auditorium und kollektive Begeisterung. Beschwingter wurde es unterdessen auf der Open Air-Bühne mit Chris Holmes Mean Man. Der Ex-W.A.S.P.-Gitarrist und seine Mannen sorgten mit einem Mix aus Eigenkreationen, W.A.S.P.-Songs und Cover-Songs für gute Laune, sodass sich neben Headbangern auch vereinzelt das Tanzbein schwingende Besucher ausmachen ließen.

Der Bühnenwechsel wurde immer schwieriger, die Halle war mittlerweile brechend voll und es war schwierig, überhaupt noch einen Platz zu ergattern, an dem man halbwegs auf die Bühne blicken konnte. Doch es musste sein, Our Survival Depends On Us waren die Nächsten. Die Salzburger erzeugten ein interessantes, atmosphärisches Klangbild, das zuweilen sogar leicht einlullende Passagen enthielt, nur um im nächsten Moment vermehrte Instrumentals und Screams oder auch mal zweistimmige Vocals ertönen zu lassen. Zur Mitte des Auftritts begannen sich die Reihen jedoch ein wenig zu lichten, leichte Aufbrauchsstimmung zur Open Air-Bühne machte sich breit.

Im Kontrast zur Indoor-Bühne waren dort ab 17.30 Uhr nämlich die Griechen Rotting Christ zu sehen und sorgten dafür, dass der Open Air-Bereich zum ersten Mal an diesem Tag so richtig voll wurde. Mit neuem Gitarristen Yannis Kalamathas alias Jonkal, der seit Februar 2019 offiziell zur Band gehört und Emmanuel ersetzt, sowie neuen Songs aus dem letzten Album The Heretics sorgte die Band um Kopf Sakis Tolis wieder mal für einen sehenswerten Auftritt. Ein erster größerer Circle Pit kam bei Societas Satanas zustande, der nahtlos bei In Yumen-Xibalba weiterging, während der Großteil des Publikums begeistert die Hörner in die Luft reckte und die Schädel kreisen ließ. Auch neue Songs á la Hallowed Be Thy Name und Fire, God And Fear kamen sichtlich mindestens genauso gut an. Die Griechen sind einfach eine Band für alle Generationen. Wieder mal galt: Rotting Christ kamen, sahen und hatten die Menge fest im Griff. Übrigens sind sie schon im Herbst wieder in Wien zu sehen, dann als Support von Moonspell.

Drinnen ging es kurz darauf mit den Belgiern Amenra weiter. Innerhalb weniger Sekunden erschuf die Post Metal-Formation um Frontmann Colin H. Van Eeckhout eine gewohnt düstere Atmosphäre, die den Saal sofort in ihren Bann zog. Die Lichtshow sowie die düsteren Bilder und Clips, die anstelle eines Backdrops hinter die Band projiziert wurden, taten ihr Übriges, um Songs á la Razoreater und Am Kreuz passend zu untermalen. Der ihnen zugesprochene einstündige Slot, in den sechs Songs passten, ging wieder mal viel zu schnell vorbei. Hoffentlich bald wieder!

Rotting Christ
Wer zwischendurch eine Verschnaufpause vom Extreme Metal-Spektakel brauchte, konnte sich an den Essensständen eine Stärkung holen (je nachdem, wonach einem gelüstete, war aufgrund der hohen Besucherzahl aber natürlich mit vermehrter Wartezeit zu rechnen) oder sich im DreiRaum das Überangebot für Merchandise aller Arten anschauen und bei Gelegenheit auch gleich beim angrenzenden Signing Session-Bereich ein Autogramm von Bands wie Sólstafir oder Rotting Christ abstauben. Um 20.00 Uhr wurde in der großen Halle mit Benighted eine Deathgrind-Party gefeiert. Die zahlreich erschienene Meute war in Feierlaune und gab sich mit Frontmann Julien Truchan und Co. freudig dem Genre hin, was sich in Pits, fliegenden Getränkebechern und call and response-Szenen der Lyrics zwischen Band und dem begeisterten Publikum zeigte. 50 Minuten pure violence. Für Genre-Fans ein Hochgenuss, für alle anderen wohl einfach nur unstrukturierter Lärm, zu dem manche es schaffen abzufeiern.

Unterdessen wurden all jene, die sich bei der Open Air-Bühne eingefunden hatten, Zeugen eines zauberhaften Spektakels. Sólstafir brachten isländisches Wetter mit und wurden vom angekündigten Regen begleitet. Das hinderte die Besucher aber nicht, in Scharen auszuharren und den verträumten Klängen der Isländer zu lauschen. Diese wurden regelmäßig durch härtere Passagen und Zurschaustellung ihrer Gitarrenkünste ersetzt, wodurch auch genügend Möglichkeiten zum Headbangen geboten wurden. Auf die erboste Reaktion bei der Ankündigung des letzten Songs Goddess Of The Ages reagierte Sänger Aðalbjörn Tryggvason mit einem lockeren "Don't hate the player, hate the game" und versprach eine baldige Rückkehr. Böse sein konnte man der sympathischen Band aber ohnehin nicht, denn mit dem großen Finale konnten sie nochmal so richtig packen. Traumhaft!

Auch drinnen wartete eine hypnotische Show auf mich. Das Duo Urfaust aus den Niederlanden sorgte für eine Black Metal-Darbietung, die das Publikum reihenweise fesseln konnte und kollektive Gänsehaut bescherte. Angeblich sollte das die letzte Möglichkeit für längere Zeit gewesen sein, die Band live zu sehen. Danach war es auch schon Zeit für die Headliner Opeth, die den Open Air-Bereich gebührend abschließen sollten. Vor dem großen Finale musste aber noch im immer stärker werdenden Regen ausgeharrt werden; technische Probleme hatten eine 20-minütige Verspätung der Schweden zur Folge. Als die Lichter schließlich ausgingen, wurde die Band lautstark begrüßt und es konnte endlich losgehen. Opeth schafften wie immer mühelos den Spagat zwischen ihrer Death- und Progressive Metal-Phase, um sowohl zu verzücken als auch zum Headbangen anzuregen. Songs wie Cusp Of Eternity oder The Drapery Falls wurden dramatisch von den fernen Blitzen, die den Nachthimmel erhellten, untermalt. Von Deliverance wurde aufgrund der in Wien geltenden strengen Sperrstunde um 23.00 Uhr nur noch der finale Instrumentalpart zum Besten gegeben. Aufgrund des starken Regens waren Opeth für mich die letzte Band des Festivals, ich machte mich durchnässt und von Donner begleitet auf den Weg zur U-Bahn. Noch bis knapp nach 02.00 Uhr wurde die große Halle bespielt, bevor das Vienna Metal Meeting langsam seine Pforten schloss.

Fazit: Auch die dritte Ausgabe des Vienna Metal Meetings war ein voller Erfolg. Tolle Organisation, spannende Bands und ein (weitestgehend) ideales Festivalwetter machten meinen Einstieg in die Open Air-Saison 2019 absolut erfolgreich. Die ersten Bands für 2020 wurden auch schon bestätigt. Es war - und wird - also wieder mal ein Fest!

Erste Fotos vom Festival gibt's übrigens auf Facebook und Instagram.

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