Rammstein | 22.08.2019


Wien war diese Woche im Rammstein-Fieber: Anlässlich ihres neuen, selbstbetitelten Albums nach zehn Jahren Wartezeit machte sich die legendäre Band aus Berlin im Mai auf zu einer ausgedehnten Tour quer durch Europa und dann über den kompletten Globus. Am Donnerstag und Freitag fand im Wiener Ernst-Happel-Stadion der Tour-Abschluss statt, ich war am ersten der beiden Konzertabende dabei.

Bereits um 17.00 Uhr erfolgte der Einlass, viele Fans hatten sich in freudiger Erregung schon lange davor bei eben jener Location eingefunden. Mit reichlich Getränke- und Essensständen zu den üblichen horrenden Festivalpreisen sowie beim Anstehen am Merchandise-Stand konnte man sich die Zeit bis zum Konzertbeginn auch gut vertreiben. Das Pariser Pianistinnen-Duo Jatekok läutete den Abend ab 19.30 Uhr ein. Vorab war ich skeptisch, wie ausschließlich Piano-Coverversionen von Rammstein-Songs, die man größtenteils im Anschluss ohnehin live erleben würde, funktionieren würden, doch belehrten mich die beiden Französinnen eines Besseren. Wunderschön präsentierte das Duo, das das Tasteninstrument gleichzeitig bespielte, Hits wie Du hast oder Sonne und wurde dabei von einem tausendstimmigen Chor von begeisterten Rammstein-Anhängern begleitet. Gänsehaut!

Dann blieben nur mehr etwa zwanzig Minuten, bis die Legenden, deren Ruf wir an diesem Abend gefolgt waren, die Bühne entern sollten. Genug Zeit also, diese genauer zu betrachten. Rammstein haben auf dieser Tour ihre eigene Bühne mitgebracht, die in der Höhe das Happel-Stadion überragte, mit 70 Trucks nach Wien geführt und in vier Tagen von etwa 1.000 Menschen aufgebaut wurde.
Kurz vor 20.30 Uhr ertönte mittels Durchsage eine weibliche Stimme, die im Namen der Band darum bitten ließ, vom Fotografieren und Mitfilmen abzusehen und stattdessen die Show zu genießen. Freilich wurde diesem Wunsch nicht nachgekommen; als die Band mit einem lauten Knall und Was ich liebe aus dem neuen Album die Show einläutete, mischten sich unter das von der Bühne kommende Lichtspektakel auch tausende beleuchtete Handybildschirme. Kurz beschlich mich die Frage, wie da wohl ein Handyverbot wie im Dezember in der Stadthalle angekommen wäre. Doch ich war immerhin nicht vor Ort, um die Klick-Sucht mancher Zuschauer zu beobachten, sondern meine Aufmerksamkeit voll und ganz auf das Spektakel dieser riesigen Bühne zu richten. Da tat sich wieder einiges.
Rammstein fuhren das gewohnte Maß an Licht- und Pyro-Show auf, geizten nicht mit Feuer und projizierten Video-Sequenzen auf den Bereich hoch über ihren Köpfen. Die düsterste Darbietung erfolgte erwartungsgemäß mit dem neuen Song Puppe, zu dem Sänger Till Lindemann einen überdimensionalen Kinderwagen auf die Bühne schob, der im Laufe des Songs - wie zu erwarten - kurzerhand abgefackelt wurde. Du hast und Sonne wurden wie üblich von einem immensen Feuer- und Pyro-Aufgebot untermalt, während Diamant im Kontrast dazu nur vom Publikums-Chor und Feuerzeug- wie Handybildschirm-Leuchten begleitet wurde und für den emotionalsten Moment des Abends sorgte. Nach dem Deutschland-Remix von Gitarrist Richard Z. Kruspe, um den Kostümwechsel zu ermöglichen, und der anschließenden Original-Version, der Akustik-Darbietung von Engel, begleitet von Duo Jatekok, und der darauffolgenden Fahrt auf dem Schlauchboot über das Menschenmeer, die in der Darbietung von Ausländer mündete, ging es langsam aber sicher dem Ende zu. Ich will bildete schließlich das grande finale nach über zwei Stunden Rammstein pur. Eine kurze Verabschiedung, eine Verbeugung und ein letzter Blick auf die Band, wie sie im integrierten Aufzug die Bühne hoch fuhr, dann war die Show endgültig vorbei und die Tour für Rammstein so gut wie komplett abgeschlossen.

Fazit: Rammstein haben mit ihrer Show ein weiteres Mal bewiesen, was für eine außergewöhnliche Band sie sind. Obwohl das Geschehen stellenweise auch über die Video-Sequenzen übertragen wurde, bekam ich von dem Spektakel leider nicht alles einwandfrei mit. Da ich einen Sitzplatz hatte und das Geschehen aus großer Entfernung verfolgte, wäre eine Leinwand für das seitlich sitzende Publikum durchaus wünschenswert gewesen. So konnte ich alles zwar nicht wie gewohnt in vollen Zügen genießen, das schmälert meine Vorfreude auf das nächste Mal aber nicht.

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