Euroblast 2019 | Tag 1

Mobius
Lange hat es gedauert, doch heuer war es endlich soweit: Zum ersten Mal schaffte ich es aufs Euroblast Festival nach Köln, das Jahr um Jahr mit einem unfassbar guten Progressive-Billing lockt. Am Donnerstag Nachmittag ging es vom Wiener Flughafen aus nach Köln/Bonn und nach einer kurzen Zugfahrt fand ich mich in der Jugendherberge ein, in der viele andere Euroblast-Besucher und auch einige Bands untergebracht waren. Nachdem das Zimmer bezogen, die Zimmergenossen kennengelernt und die unmittelbare Gegend ein wenig erkundet wurde, war es schon bald an der Zeit für Livemusik. Als Aufwärm-Event für all jene, denen drei Tage geballte Prog-Power nicht genug war, wurde im Club Volta die Ignite Night angeboten. Zu einem erschwinglichen Preis bzw. bei gratis Eintritt für Euroblast-Besucher wurde mit Svynx, Mobius, Soulsplitter und Toundra eine sehenswerte Einstimmung auf das Festival geboten.

Am Freitag zur Mittagszeit wurde schließlich die Kölner Essigfabrik angesteuert, um die 15. Ausgabe des Euroblast Festivals zu besuchen. Der Einlass begann um 13.00 Uhr, da wir unser Ticket bereits am Vorabend gegen das Bändchen tauschen konnten, ging alles schnell vonstatten. Die Zeit bis zur ersten Band wurde natürlich genutzt, um das Gelände ausgiebig zu erkunden. Die Essigfabrik war vom Hostel aus aber per Straßenbahn oder zu Fuß optimal zu erreichen. Umringt von einer Kulisse bestehend aus Fabriks- und Bürogebäuden fand man im Außenbereich alles, was man braucht: Ein reichhaltiges Angebot an Essensständen mit vegetarischen und veganen Optionen, direkt daneben einen Kuchenstand mit Zuckerguss-Logos der am jeweiligen Tag spielenden Bands und reichlich Sitzgelegenheiten.

Um 13.30 Uhr wurde das Euroblast mit Valis Ablaze eröffnet. Die Djent-Songs mit cleanem Gesang von Frontmann Phil lockten schon einige Interessierte vor die Hauptbühne. Die Band zeigte sich motiviert und voller Freude, hier zu sein; besonders Gitarrist Tom sprühte nur so vor Spielfreude und auch das Publikum ließ sich von Songs wie Reflections gerne mitreißen. Danach ging es zur Side Stage, die sich ein Stockwerk tiefer befand und das Flair von Underground-Schuppen versprühte. Eingeweiht wurde die deutlich kleinere Bühne von den Community-Slot-Voting-Gewinnern Kin Beneath Chorus aus Griechenland, die um 14.10 Uhr loslegten und einen brachialen Kontrast zur gerade gesehenen Show darstellten. Mit dieser Energie wusste der Fünfer das Publikum aber sofort in seinen Bann zu ziehen und zu erster Leibesertüchtigung zu ermuntern. Ein absolut verdienter Slot-Sieg.

Mit Siamese im Anschluss stand auch schon das nächste Highlight ins Haus. Die Band war sichtlich motiviert, Sänger Mirza konnte gar nicht aufhören seine Freude darüber zu bekunden, nach Jahren als Besucher auch mal selbst auf der Euroblast Bühne zu stehen und sorgte als geborener Showman gemeinsam mit den hoch melodischen Songs für reichlich Partystimmung. Zu Beginn offenbarte er seine Deutschkenntnisse, aufgrund der hohen Anzahl an Englisch sprechenden Gästen blieb es aber nur bei einer kurzen Sprach-Kostprobe. Mit viel Witz und Energie wurde durch das Programm, das Songs á la Ablaze und Party Monster enthielt, geführt. Bei B.A.N.A.N.A.S. wurden Bananen in die Menge geworfen, manche davon wurden sofort verspeist und die Schalen wieder zurück auf die Bühne befördert, bevor mit Ocean Bed der letzte Song mit ernstem Hintergrund zum Besten gegeben wurde. Die Dänen machten einfach Spaß und überzeugten auf ganzer Linie.
Kin Beneath Chorus

Nach diesem ausgezeichneten Festival-Einstieg war es erst mal Zeit für eine Stärkung und eine kurze Verschnaufpause. Mittlerweile war das Gelände gut gefüllt, doch die Wartezeiten an den Bars und Essensständen beschränkten sich auf ein Minimum. Auch ein Platz zum Sitzen war schnell gefunden und so konnte man die überall herrschende entspannte Atmosphäre auf sich wirken lassen und mit den (internationalen) Festivalbesuchern ins Gespräch kommen. Um 16.20 Uhr lockten Klone wieder vor die Hauptbühne und lieferten eine technisch einwandfreie und gute Show ab, bevor es bei Uneven Structure, die regelmäßig im Festival-Billing zu finden sind, im Anschluss erstmals richtig voll wurde. Mit einer ausgewogenen Setlist und einer perfekt darauf abgestimmten Lichtshow zogen die Franzosen Song für Song in ihren Bann und sorgten so für kollektive Ekstase, die sich in reihenweisen Moshpits entlud und mit Eight in einem Finale gipfelte, das fassungslos zurückließ. Ganz groß.

Auch bei Kadinja um 19.20 Uhr herrschte reger Andrang. Wie immer sorgte das Quintett für eine dynamische Djent-Vorstellung und überzeugte dabei nicht nur mit Eigenkreationen, sondern auch mit Covern von Korns Freak On A Leash und Marilyn Mansons This Is The New Shit zum Abschluss, die beide auf ihrem neuen Cover-Album DNA zu finden sind. Kaum waren Kadinja von der Bühne, betrat Veranstalter John Giulio Sprich selbige, um seine Euroblast-Gäste kurz, aber herzlich willkommen zu heißen und viel Spaß am Festival zu wünschen. Wie viel Herz und Leidenschaft hinter dem Festival steckt, sollte sich auch in den nächsten Tagen noch bemerkbar machen. Für den Auftritt von Votum um 20.25 Uhr wurde wieder die Side Stage angesteuert. Die Formation aus Polen gab einen intensiven Auftritt zum Besten und durch den großen Andrang stockte einem nicht nur aufgrund der technischen und stimmlichen Leistung der Atem; spätestens abends wurde es tatsächlich ziemlich stickig im Untergeschoss der Essigfabrik.

Dead Letter Circus im Anschluss auf der Hauptbühne erwiesen sich ebenfalls als Publikumsmagneten, konnten dieses aber nicht zur Gänze in ihren Bann ziehen. Ob es an der stimmlichen Performance von Frontmann Kim Benzie lag oder der poppige Prog-Rock für so manchen nur von kurzem Interesse war, vermag ich aber nicht zu sagen. Von den eingefleischten Fans wurden die Australier ohnehin ausgiebig gefeiert. Von Australien ging es danach nach Finnland, denn um 22.25 Uhr begannen Wheel ihr Set auf der Side Stage. Nachdem ich sie erst kürzlich erstmals und leider ohne Bassisten erlebt habe, wurde mir diesmal endlich das vollständige wheelsche Soundvolumen zuteil. Mit ihrem einzigartigen Sound und den vertrackten Nummern trafen Wheel den Nerv des Publikums und konnten sich nach diesem Abend vieler neuer Fans sicher sein.

Was für eine große Fangemeinde sich The Hirsch Effekt über die Jahre erspielt haben, machte sich ab 23.00 Uhr bemerkbar. Zugegeben, die Band aus Hannover ist wirklich nicht jedermanns Sache, doch wissen sie all jene, die sich auf ihren Mix aus Artcore, Math und Progressive einlassen, umso mehr in ihren Bann zu ziehen. Dass das Trio aber auch emotional kann und textlich nicht mit 0815 daherkommt, wurde mit Datorie unter Beweis gestellt, das für kollektive Gänsehaut sorgte. So viel geballte Genialität an einem Tag macht müde, wie man bei Atlas im Anschluss auf der Side Stage merkte. Stagetime war um Mitternacht und wo zu früherer Stunde noch kaum ein Durchkommen oder gute Sicht möglich waren, hatte man nun genügend Platz, um den Northcore der Finnen zu feiern. Kurz wurde noch den Darbietungen von Songs wie Kaamos gelauscht, bevor der Weg zur Straßenbahn angetreten wurde. Die Müdigkeit hatte gesiegt und die vielen genialen Eindrücke an nur einem einzigen Festivaltag mussten erst mal verarbeitet werden.

Fotos via (c) Quinten Quist Konzertphotographie

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