Euroblast 2019 | Tag 2

Shokran
Der zweite Tag am Euroblast ging für mich etwas später los, aber nicht weniger hochkarätig weiter. Nachdem die russische Formation Shokran Progressive Metal mit orientalischen Einflüssen und eine energiegeladene Show auf die Hauptbühne brachte, ging es schnell weiter zur Side Stage, wo mich schon das nächste Highlight erwarten sollte. Aphyxion aus Dänemark haben mit Void erst im Mai ihren dritten, großartigen Longplayer veröffentlicht und strotzten nur so vor Motivation, dem Kölner Publikum einen Auszug daraus näherzubringen. Vor allem Frontmann Michael Vahl versprühte Energie und Ausgelassenheit pur, überzeugte mit seiner gutturalen Gesangskunst und unterhielt zwischen Songs wie Fork Tongued oder Same Kind Of Different mit kurzen Plauder-Einschüben und witzigen Zwischenansagen. Das Publikum dankte es der perfekten Darbietung der Band mit Begeisterungsfähigkeit und Headbangern. Genial!

Offenbar sollte es an diesem Tag zu einer Reihe an dänischer Dynamik kommen, denn auch die Landsmänner Ghost Iris, die um 16.20 Uhr die Hauptbühne betraten, wussten die Menge vom Fleck weg mitzureißen. Geboten wurden Hardcore mit Progressive-Einschlag, Bassdrops, ein steter Wechsel zwischen gutturalen und cleanen Vocal-Parts sowie neue Songs aus ihrem aktuellen Album Apple Of Discord, die durch die energetische Show live für mich noch besser funktionierten als auf der Platte. Die Ereigniskette von genialen, brachialen Shows sollte nicht abreißen, denn auch Sunless Dawn (ebenfalls aus Dänemark) im Anschluss auf der Side Stage verstanden es, den Laden auseinanderzunehmen und das Publikum fassungslos zurückzulassen. Blastbeats und ein Wechselbad aus Progressive Metal mit Death Metal-Einschlägen vermengten sich mit den live noch viel besser zur Geltung kommenden Vocals von Frontmann Henrik Munch zu einer hypnotisierenden Mischung, der man sich nicht so schnell wieder entziehen wollte, was die Band sichtlich freute. Sunless Dawn haben ein erfolgreiches Euroblast-Debüt hingelegt und werden dort sicherlich nicht zum letzten Mal zu sehen gewesen sein.

Danach war erst mal eine Pause angesagt. Am besten ausruhen konnte man sich natürlich im Außenbereich und auch, wenn das Wetter zunehmend wechselhaft wurde, tat die Abkühlung gut und die Stärkung sowieso. Im dafür vorgesehenen Zelt fanden tagsüber nun auch Workshops statt, die man besuchen konnte, doch schon bald war es wieder Zeit für die nächste Band.

Weiter ging es mit den Djentlemen Vola um 19.20 Uhr, die natürlich ebenfalls auf der Hauptbühne zu sehen waren. Die Dänen sind bereits alte Hasen auf dem Euroblast, immerhin spielten sie bei der diesjährigen Ausgabe des Festivals bereits zum vierten Mal in fünf Jahren. Sympathisch wie eh und je bescherte uns die Band um Mastermind Asger Mygind auch diesmal eine durch und durch perfekte Show auf Headliner-Niveau, die viel zu schnell vorbei ging und nach Songs wie Smartfriend oder Stray The Skies hunderte rundum glückliche Gesichter zurückließ. Im Anschluss an diesen wunderbaren Auftritt gab es eine neuerliche kurze Ansprache von Veranstalter John, der sich für das (bei vielen Besuchern bereits jahrelange) Erscheinen und die Treue bedankte und dem vor Rührung sogar Tränen in die Augen traten. Ein weiterer Beweis, wie viel Leidenschaft und Hingabe hinter diesem Festival steckt. 

Die Ereigniskette der dänischen Dynamik sollte mit dem Auftritt um 20.25 Uhr auf der Side Stage nun abreißen. Auch für Rendezvous Point aus Norwegen war das Euroblast der vorletzte Tour-Stopp. Eigentlich konnte mich ihr neues Album Universal Chaos mit seiner Vielschichtigkeit durchaus überzeugen, live wollte der Funken aber nicht ganz so überspringen und irgendwann traf mich die Erkenntnis, dass das Instrumentale und die Vocals von Frontmann Geirmund Hansen im Echtbetrieb nicht so miteinander harmonieren wollten wie gedacht. Kein Reinfall, aber auch nicht so überzeugend wie angenommen. Between The Buried And Me hatten für ihren Headliner-Slot ab 21.10 Uhr etwas Besonderes vorbereitet. Zum 20-jährigen Bestehen wurde ein Doppel-Set gespielt, das sämtliche Schaffensphasen der Amerikaner abdeckte. Songs wie Lay Your Ghosts To Rest oder The Coma Machine heizten vor allem den vorderen Reihen ein, nach einem langen Tag voller Highlights war aber nach der Halbzeit Schluss für mich und so war die Straßenbahn erwischen und den vorletzten Abend ausklingen lassen angesagt.

Foto via (c) Quinten Quist Konzertphotographie

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