Being As An Ocean | 30.11.2019


Kaum einer meiner Städtetrips beinhaltet kein Konzert, da ich immer zufällig auf etwas Interessantes stoße, das man sich mal ansehen könnte. Im Falle meines Lissabon-Aufenthalts war es das Konzert der Melodic Hardcore-Formation Being As An Ocean. Zugegeben, normalerweise nicht mein bevorzugtes Gebiet, doch Line Up und Location sahen vielversprechend aus, weshalb ich mich am Samstag zum Estúdio Time Out begab, wo die Band mit Support den vorletzten Stopp ihrer Tour vollführte. Time Out ist in erster Linie eine Markthalle und ein Food-Court, in dem man sich durch die Kulinarik Portugals kosten kann. Während das Konzert also in vollem Gange war, konnte man von oben den Besuchern der Halle dabei zusehen, wie Essen und Getränke bestellt, an einen der Tische gebracht und verzehrt wurden. Ein interessanter Kontrast, der auch mittels Panorama-Bild festgehalten wurde.

Dream State eröffneten das Konzert um 20.00 Uhr und sorgten für einen energetischen und mitreißenden Einstieg. Die mitgebrachte Energie, die von der Band und ihrem Mix aus Alternative Rock und Post Hardcore ausging, übertrug sich umgehend auf das Publikum, was zwei Moshpits zum Einstieg in das Set nach sich zog. Sängerin CJ überzeugte mit toller Stimme, Bühnenpräsenz, Charisma und Fannähe und ließ sich beim vorletzten Song White Lies von den Fans auf Händen tragen, während zwei ihrer Anhänger kurzzeitig mit der Band die Bühne teilen und zusammen abgehen durften. CJ bedankte sich, dass die Fans - die liebevoll "Dreamers" genannt werden - so lange gewartet haben, um die UK-Formation endlich in Portugal begrüßen zu können. Sicher für beide Seiten ein unvergessliches Live-Debüt auf portugiesischem Boden.

Auch Novelists, die um 20.45 Uhr mit ihrem Set begannen, waren zum ersten Mal in Lissabon zu sehen und machten genau dort weiter, wo Dream State aufgehört hatten. Frontmann Matt Gelsomino bestach mit einer starken und variablen Stimme im Clean- sowie im gutturalen Bereich und auch instrumental wusste das Quartett aus Frankreich auf ganzer Linie zu überzeugen. Der Metalcore mit Progressive-Einschlag wurde hauptsächlich von Gitarrist Florestan Durand getragen, der seine Saitenkünste mit Riffs und Solos bestens zur Schau stellte. Mit Head Rush und Somebody Else wurde außerdem ein Vorgeschmack auf das neue Album, das im Jänner erscheint, geliefert, der definitiv Lust auf mehr machte. Beim letzten Song Gravity durfte ein Fan die energetische Atmosphäre wieder von der Bühne aus genießen. Laut Frontmann Matt die beste Novelists-Show der Tour.

Nach halbstündiger Umbaupause war es um 22.00 Uhr schließlich Zeit für die Headliner Being As An Ocean, die trotz ausgeprägter Tour-Erfahrung erst zum zweiten Mal in Lissabon zu sehen war. Wie heiß ersehnt die Melodic Hardcore-Formation war, machte sich spätestens bei deren Betreten der Bühne bemerkbar, als zur Begrüßung lauter Jubel und vereinzeltes Gekreische zu vernehmen waren. Durch die deckenden Farben der Lichtshow war das Quintett kaum auszumachen, wodurch die Musik noch mehr in den Vordergrund rückte und das Publikum sofort in den Bann der US-Amerikaner gezogen wurde. Frontmann Joel Quartuccio hielt es auf der Bühne jedoch kaum aus. Drei Songs performte er komplett im Auditorium und bahnte sich auch während nachfolgender Songs immer wieder screamend einen Weg durch die begeisterte Menge, die sich um ihr Idol scharrte, voller Textsicherheit mitgröhlte und die Darbietung noch emotionaler machte. Vereinzelte Stagediver und Crowdsurfer komplettierten das Bild einer energetischen Livedarbietung. Komplettiert wurde so viel Emotionalität nur durch die Danksagung Quartuccios für das Erscheinen, die entgegengebrachte Liebe und dass das Konzert zu etwas ganz Besonderem gemacht wurde und natürlich dem Schluss-Doppel This Loneliness Won't Be The Death Of Me und The Hardest Part...

Fazit: Alle Bands haben sich durch absolute Bühnenpräsenz, variable Stimmen der Leads und höchster Power ausgezeichnet. Ein emotionaler und mitreißender Konzertabend, der wohl allen Beteiligten noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Foto via

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