Jinjer | 19.12.2019


Ein brachiales Packerl haben Jinjer für kurz vor Weihnachten geschnürt. Die unablässig tourende Band, die seit geraumer Zeit in aller Munde ist und an der man vor allem in den letzten zwei Jahren nicht vorbeikommen konnte, begab sich mit dreifachem Support quer durch Europa und bot am Donnerstag eine der letzten Live-Gelegenheiten des Jahres. Dem Ruf der Ukrainer war man scharenweise gefolgt und so fand die Show, die in die SiMM City hochverlegt wurde, vor ausverkauftem Haus statt.

Space Of Variations starteten bereits um 19.00 Uhr, hatten aber schon von zahlreichen Besuchern die ungeteilte Aufmerksamkeit. Die seit 2015 aktiven Landsleute der Headliner präsentierten einen experimentellen Mix aus Metal und Elektronischem und sorgten so für einen gelungenen Einstieg in den Abend. Kurz darauf ging es mit Khroma brachial weiter. Tief getunte Saiteninstrumente, Breakdowns und fiese Growls, begleitet von bestem Sound und Stroboskop-Lichtern, ergaben eine fette und einnehmende Mischung und eigentlich die ideale Gelegenheit, die Zuschauer auf Betriebstemperatur zu bringen. Zwar war auch das stetig wachsende Publikum sichtlich angetan von der Performance der Finnen, der groovige Metal mit Electro-Samples sorgte aber lediglich für kollektives Kopfnicken und vereinzelte Headbanger in den vorderen Reihen.

Eine ganz andere Stimmung versprühte da der Einstieg in das Set von The Agonist um 20.30 Uhr. Die Kanadier wurden mit frenetischem Applaus und Jubelstürmen begrüßt und man hätte glauben, die Headliner höchstselbst hätten schon die Bühne betreten. Der dargebotene treibende Melodic Death Metal und die Energie des Quartetts, die sich mühelos auf das Publikum übertrug, stachelten nun auch zu kollektiver Leibesertüchtigung an; Headbanger und Pits prägten das Bild auf das Auditorium. Vor allem Frontfrau Vicky Psarakis glänzte mit Sympathie und Bühnenpräsenz und brachte mit ihrem extrem breiten Stimmspektrum, das von abgrundtiefen Growls bis hin zu lieblichem Klargesang reichte, immer wieder zum Staunen. Zum Besten gegeben wurden vor allem Songs aus ihrem neuen Album Orphan, ältere Songs á la Panophobia, das noch aus Alissa White-Gluz-Zeiten stamm, wurden aber genauso gefeiert.

Nach dieser Steilvorlage hätte es für Jinjer schwierig werden können, das Stimmungshoch zu halten. Selbstredend war das Publikum aber noch heiß auf die Headliner und der mehrminütige Countdown vor der Stagetime sorgte für zusätzliche Spannung, die sich in überschwänglich-lauthalser Begrüßung entlud, als die vier Ukrainer um 21.40 Uhr endlich die Bühne betraten. Mit Teacher, Teacher wurde sogleich der erste Hit auf die Menge losgelassen, ehe Sit Stay Roll Over als erster Gassenhauer dargeboten wurde, ständig begleitet von der publikumschen Ekstase, Pits und vereinzelten Crowdsurfern. Visuell unterstrichen wurde das Ganze natürlich von einer ebenso abwechslungsreichen Lichtshow, die die Darbietung passend unterstrich und vor allem in den ruhigeren Passagen die stimmliche Höchstleistung an der Front in Szene setzte. Dennoch schien es aber, als würde die Energie in diesen ruhigeren Momenten, die zum andächtig dem Gespür für das Instrumentale und der unfassbaren stimmlichen Leistung von Sängerin Tatiana Shmailyuk lauschen genutzt wurden, verloren gehen und diese erst wieder zusammengenommen werden müssen. Gefühlt waren es dann doch Evergreens á la Who Is Gonna Be The One oder Words Of Widsom, die die Stimmung hoch hielten. Zweifel wussten Jinjer jedoch sofort wieder wegzufegen, als mit Pisces zum finalen Schlag ausgeholt wurde und das Quartett ein letztes Mal zeigte, was es ist: Eine außergewöhnliche Band, die ihrem Hype gerecht wird und trotz kometenhaftem Aufstieg noch längst nicht On The Top angekommen ist.

Foto via (c) Oleg Rooz

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