Haken | 02.03.2019


Kaum schnupperte man erste Frühlingsluft, wurde der vergangene Samstag auch schon wieder in ganztägigen Regen gehüllt. Schöne Aussichten gab es für den Abend aber trotzdem, denn in der ausverkauften Szene Wien sollten die Progressive-Größen Haken und Support aufgeigen.

Die Opener Bent Knee, die um 20.00 Uhr die Bühne betraten, absolvierten an diesem Abend nicht nur ihr erstes Österreich-Konzert vor einem bereits ordentlich gefüllten Saal, es ist auch die erste ausgiebige Europatour nach zehn Jahren Bestehen für die Band. Das Konzert der Bostoner beschreiben zu wollen, ist schwierig. Hauptsächlich wurde ich von der kraft- und eindrucksvollen Stimme von Sängerin Courtney Swain in den Bann gezogen, musikalisch ist das Sextett aber ohnehin nicht richtig einordenbar. Nachdem ich Einflüsse aus Pop und Rock, eine Violine und mehrere 7/8-Takte ausmachen konnte, habe ich irgendwann aufgehört, das Dargebotene irgendwie einordnen zu wollen. Am besten reinhören und selbst ein Urteil fällen, ob es gefällt oder nicht. Das Wiener Publikum war jedenfalls angetan von der Band mit dem sympathischen Auftreten und verabschiedete Bent Knee mit warmem Applaus.

Ab 20.45 Uhr zu sehen waren Vola aus Dänemark, die erst im Oktober Teil eines Konzertabends waren, an den ich noch lange denken werde. Diesmal war die Formation nur zu dritt unterwegs, da Keyboarder Martin Werner aus persönlichen Gründen nicht auf der kompletten Tour dabei ist. Seine Parts kamen daher nur vom Band, was die Live-Wirkung von Vola aber nicht nennenswert schmälerte. Die Band um den nahezu dauergrinsenden Asger Mygind präsentierte auch diesmal eine stimmig zusammengestellte Setlist mit Songs aus den beiden Alben Inmazes und dem im Herbst erschienenen Applause Of A Distant Crowd, setzte damit in Verzückung und lud so manchen Zuschauer dazu ein, mit vollem Körpereinsatz zum unvergleichlichen Vola-Sound mitzugehen. Einfach nur schön!

Mit der Willhelm Tell-Overtüre läuteten die Progressive-Größen Haken um 22.00 Uhr ihren Auftritt ein, die jäh durch das Elektronik-Stück Clear aus dem neuen Album Vector unterbrochen wurde. Weiter ging's direkt mit dem ebenso neuen Kracher The Good Doctor, der die Begeisterung weiterhin nach oben schnellen ließ. Frontmann Ross Jennings gab den Entertainer, wuselte über die Bühne, plauderte mit dem Publikum und erzählte, dass Haken erst vor zwei Jahren zum ersten Mal hier gespielt haben, damals ebenfalls in der Szene. Während längerer Instrumental-Passagen verließ er sogar komplett die Bühne, um seinen Bandkollegen den nötigen Platz zu geben - unter anderem bei Nil By Mouth, das sämtliche Anwesende total in seinen Bann zog. Auch ältere Songs wie 1985 oder The Architect sorgten beim Publikum hör- und sichtbar für Begeisterung. Haken überzeugten aber nicht nur musikalisch, sondern auch mit einer sehr lebendig gestalteten Show - das Licht war perfekt auf die Songs abgestimmt, das Publikum wurde zum Mitsingen, -klatschen etc. miteinbezogen und die Bandmitglieder agierten auch untereinander sehr unterhaltsam. So spielte Sänger Ross Jennings - mittlerweile mit Neonbrille auf der Nase - gegen Ende einige Passagen am Keyboard, während Keyboarder Diego Tejeida kurzzeitig bei seinem Kollegen Connor Green am Bass "aushalf". Mit den Zugaben Crystallised und dem Toto-Cover Africa war dann aber wirklich Schluss und das Publikum wurde - um eine absolut sehenswerte Progressive-Show reicher - in die Nacht entlassen.


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