Summer Breeze 2019 | Tag 3

Lordi
Auch am letzten Festivaltag hieß es "Keine Müdigkeit vorschützen" und so ging es schon früh durch die Sicherheitskontrolle ins Infield. Zur Mittagszeit bespielten Winterstorm die T-Stage und trugen dort eine sympathische, zum Hüpfen animierende Power Metal-Show vor, während mit Evergreen Terrace die Main Stage ein letztes Mal eröffnet wurde. Die Hardcore-Formation aus Florida hatte zwar immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen, wusste das zahlreich erschienene Publikum aber trotzdem zum Morgensport in Form von Moshpits zu animieren.

Um 13.50 Uhr wurde es dann Zeit für eine Runde A-Capella-Metal, präsentiert von Van Canto. Sechs Jahre waren vergangen, seit die siebenköpfige Formation zum letzten Mal am Summer Breeze zu Gast war. Frontmann Hagen Hirschmann schwelgte in Erinnerungen und führte sympathisch durch das Set, das Songs wie If I Die In Battle und Ride The Sky beinhaltete. Für das letzte Drittel wurde dann Ex-Frontmann Sly auf die Bühne gebeten, um gemeinsam mit seinen ehemaligen Bandkollegen zu performen. Natürlich gipfelte die Show im für kollektive Gänsehaut sorgenden Fear Of The Dark, das ein jähes Ende fand, um ja nicht zu überziehen. Immerhin war der Zeitplan knapp und die nächste Band stand schon in den Startlöchern.

Ab 17.00 wurde rund um die Mainstage der Monsteralarm ausgerufen: Lordi machten die Gegend unsicher und vollführten vor zahlreichen Schaulustigen eine Hard Rock-Gruselshow. Da wurde schon zum Opener Sexorcism lauthals mitgesungen, Crowdsurfer nach vorne gespült, bei Naked In My Cellar entledigten sich einige weibliche Fans ihrer Oberteile und zum Solo mit Techno-Einschlägen von Noch-Bassist The Ox wurden die Hüften geschwungen. Den krönenden Abschluss bildeten der Evergreen Devil Is A Loser und natürlich das unabkömmliche Hard Rock Halleluja, bei dem ein letzter tausendstimmiger Chor zustande kam. Danach war es Zeit für eine Verschnaufpause am Zeltplatz, bevor zur einsetzenden Dunkelheit wieder die T-Stage ansteuert wurde. Soen standen auf dem Plan und boten wie zu erwarten eine wunderschöne Show abseits des Einheitsbreis. Die multinationale Band um Ex-Opeth-Drummer Martin Lopez versteht es spielend, technisch anspruchsvolles Material zu liefern, das dennoch nicht zu vertrackt daherkommt und durch das hohe Maß an Melodie sofort ins Ohr geht. Auch live wusste die Band diese einzigartige Kombination mit Songs á la Rival oder Sectarian bestens zu präsentieren. Eine Darbietung, die viel zu schnell vorbeiging, doch zumindest habe ich schon bald wieder Gelegenheit, sie live zu genießen.

Leprous
Im Anschluss daran ging es zu Gaahls Wyrd auf der Wera Stage, die für eine regelrechte Überfüllung des Auditoriums sorgten. Zahlreiche Fans - manche hatten sich extra Corpsepaint aufgelegt - feierten zu Gorgoroth-Werken wie dem Einstiegssong Sign Of An Open Eye und neueren Gaahls Wyrd-Werken aus dem im Mai erschienenen Debüt GastiR - Ghosts Invited. Danach wurde es auf selbiger Bühne wieder Progressive-lastig, was aber genauso für ein volles Areal sorgte. The Ocean belegten den vorletzten Slot auf der Wera Stage und lieferten eine weitere Wahnsinnsshow ab. Die sieben Songs umfassende Setlist erzeugte ein einnehmendes Wechselbad aus überbordenden Soundwänden mit Sludge-Einschlägen und Keyboard-Parts, gepaart mit den facettenreichen Vocals von Frontmann Loïc Rossetti und der perfekt untermalenden Lichtshow wurde ein einnehmendes Live-Erlebnis geschaffen. Ich freue mich schon auf ihre Tour mit Leprous!

Diese spielten übrigens im Anschluss als letzte Band auf der Main Stage. Nach etwa 20-minütiger Verspätung, verursacht durch technische Schwierigkeiten, erklommen Leprous gegen 01.20 Uhr endlich die Bühne und machten das Ausharren in der Kälte umgehend wett. Songs wie Third Law oder Illuminate klangen glasklar aus den Boxen, bei Frontmann Einar Solberg saß jeder Ton perfekt und die wunderschön anzusehende Lichtshow tat ihr Übriges. Aufgrund der technischen Probleme kam es immer mal wieder zu kurzen Unterbrechungen mit fast schon verlegen wirkenden Zwischenansagen und um sich spontan bezüglich des nächsten zu spielenden Songs zu beraten. Leprous bewiesen damit aber nur ein weiteres Mal, wie professionell sie sind und dass sie es auch trotz Hürden verstehen, ein außergewöhnliches Live-Erlebnis zu bieten. Ein gebührender Abschluss zu meinem Summer Breeze-Wochenende 2019.

Fazit: Die lange Fahrt nach Dinkelsbühl auf mich zu nehmen hatte sich auch diesmal wieder absolut gelohnt. Das Line Up bot eine perfekte und abwechslungsreiche Zusammenstellung aus interessanten Bands verschiedenster Genres, sodass mir fast ausschließlich Highlights beschert wurden.
Die für mich neue Ausrichtung des Geländes ist im Vergleich zu früher eine ordentliche Verbesserung und fiel mir sofort positiv auf. Besonders zu Stoßzeiten verteilt sich die Menge an Leuten nun besser. Erfreulich auch, dass dem Ansturm am Merchandise Stand mit anderer Lage und Ausrichtung des Wartebereichs besser entgegen gewirkt wurde. Die Ficken Party Stage hat sich soundtechnisch als schwächste Bühne erwiesen. Vor allem für atmosphärische Bands wie King Apathy ein schlecht gewählter Platz zum Auftreten.
Immer wieder machte sich bei mir Verwunderung über die erhöhte Polizei- und Security-Präsenz breit, doch die Warnung am Einlass, auf die Tasche besonders Acht zu geben, machte Sinn. Offenbar kam es bereits zu einigen Diebstählen, ein Verdächtiger ist mittlerweile gefasst worden, die Polizeit hat über 80 vermisste Handys sichergestellt. Von solch unerfreulichen Erlebnissen bin ich glücklicherweise verschont geblieben und genoss ein ausschließlich positives Festival. Bis zum nächsten Mal!

Fotos via

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