Static-X | 15.10.2019


Nach der Auflösung 2013 und dem plötzlichen Tod von Frontmann Wayne Static im Jahr 2014 passierte nun das, wovon wohl kein Fan mehr zu träumen gewagt hatte. Die verbliebenen Static-X Gründungsmitglieder Tony Campos (Bass), Koichi Fukuda (Gitarre) und Ken Jay (Schlagzeug) kündigten im letzten Herbst an, 2019 unter dem Titel Project Regeneration ein Album mit übrig gebliebenen Gesangsaufnahmen von Wayne Static sowie mit Gastsängern zu veröffentlichen. Der Release verschiebt sich zwar immer weiter nach hinten, aufgrund des 20-jährigen Jubiläums von Wisconsin Death Trip wurde aber eine Tour angesetzt, die Ende September mit einer UK-Show begann und die Nu-Metaller am Dienstag nach Wien führte, wo die letzte Show der Jubiläumssause stattfand. 

Zu diesem besonderen Anlass hatten Static-X außerdem namhafte Supports in dreifacher Ausführung verpflichtet, die den Abend musikalisch optimal ergänzten. Für die 1997 gegründeten Opener Dope war es tatsächlich das erste Konzert auf österreichischem Boden. Auch die Band um Edsel Dope hatte anlässlich des 20-jährigen Jubiläums ihres Albums Felons And Revolutionaries Grund zu feiern, beschränkte sich bei dem halbstündigen Set aber auf eine bunte Mischung der vergangenen Jahre. Spätestens bei ihrem dritten Song Bring It On hatte die US-Formation das Publikum auf ihrer Seite und mit dem anschließenden Die, Bom, Bang, Burn, F*** erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Im Anschluss schossen sie mit dem Dead Or Alive-Cover You Spin Me Round (Like A Record) vielleicht ihren (laut Sänger Edsel) "dümmsten Song" nach, sorgten damit aber weiterhin für Feierlaune und einen fulminanten Abschluss des kurzen Sets. Ein Indiz dafür, dass es sich bei dem "neuen" Static-X Frontmann Xer0 tatsächlich um Edsel handelt?

Spekulationen wollte ich mich aber nicht allzu lange hingeben, mit SOiL stand schon bald das nächste Nu Metal-Urgestein auf der Festsaal-Bühne der SiMM City. Auch diesmal war es Frontmann Ryan McCombs, der die tragende Rolle des Auftritts einnahm. Mit absoluter Stimmpräsenz und vielen sympathischen Ansagen zwischen Songs wie Breaking Me Down oder Redefine hatte er das Publikum schnell um den Finger gewickelt und stellte seine Fannähe unter Beweis, als er Halo wie üblich inmitten der begeisterten Menge performte. Dem Abschlusssong Black Betty folgten volle Begeisterung der Fans sowie eine letzte Ansprache seitens McCombs, der es sich nicht nehmen lassen wollte, dem Publikum nochmal ins Gedächtnis zu rufen, dass Veranstaltungen wie diese nur durch sie, die Fans, möglich sind.

Die Nu-Metal-Sause wurde einzig von Wednesday 13 unterbrochen, die die Bühne nach kurzer Umbaupause in Beschlag nahmen und mit ihrer Show einen Hauch Halloween-Flair versprühten. Zwar sind die Amerikaner in den letzten Jahren ebenfalls zunehmend in den Metal-Bereich übergewechselt, hatten aber auch noch Songs aus ihrer Horrorpunk-Anfangsphase á la I Love To Say Fuck mit im Gepäck. Mit Songs wie Zodiac hatten sie auch neues Songmaterial aus dem neuen Album Necrophaze dabei. Während sich seine Bandkollegen auf Neon-Gesichtsbemalung und schwarze Schminke beschränkt hatten, sorgte Bandchef Wednesday 13 für optische Unterhaltung, indem er seinen mit Neonfarben bemalten Oberkörper mit regelmäßigen Outfitwechseln immer wieder neu bedeckte und verschiedene Bühnenrelikte wie etwa eine Axt mitbrachte und dazu den durchgeknallten Untoten mimte. Nach etwa 40 Minuten Horror-Show wurde die Band mit Begeisterung bedacht, ehe das ungeduldige Warten auf den Headliner begann.

Um 22.00 Uhr begann schließlich die Tribute-Show, wegen derer sich der Großteil der Metalheads in der SiMM City eingefunden hatte. Zu dem mehrminütigen Intro December manifestierte sich auf den aufgestellten LED-Wänden sowie im Hintergrund schrittweise das Bandlogo, ehe die Originalbesetzung von Static-X mit "neuem" Sänger Xer0 unter tosendem Applaus die Bühne betrat. Natürlich begann das Rätselraten, wer sich unter der an Wayne angelehnte Maske und Perücke verbirgt, schon lange vorab und die Gerüchte geben recht, dass es sich hierbei um Edsel Dope handeln könnte. Songs wie Bled For Days oder Wisconsin Death Trip versetzten das Publikum sofort wieder ins Jahr 1999 zurück, Dankesworte wurden an die Fans gerichtet und es wurden immer wieder Fotos von Wayne und Aufforderungen, ihm mit donnerndem Applaus Tribut zu zollen, auf die LED-Wände projiziert. This Is Not wurde lauthals vom Publikum mitgegröhlt, Static-X stießen von der Bühne aus mit einer Shot-Runde zusammen mit dem Publikum auf Wayne an und Cold wurde zum besonderen Gedenksong an den verstorbenen Frontmann. Nach I'm With Stupid gab es noch große Dankesworte von Xer0 selbst, ehe Bassist und neuer Bandkopf Tony Campos gebührend als Wiederbeleber von Static-X gefeiert und mit reichlich Applaus bedacht wurde, was jedoch einen seltsamen Beigeschmack annimmt, wenn man bedenkt, dass es damals zu einem Streit zwischen ihm und Wayne Static kam und die Band daraufhin aufgelöst wurde. Mit Push It wurde schließlich zum finalen Ausrasten aufgerufen, ehe sich die Band ein letztes Mal beklatschen und ein Foto mit den Fans machen ließ, das jedoch ohne Xer0 gemacht wurde. Dieser hatte nach dem letzten Song schnell den Rückzug von der Bühne angetreten.

Trotz aller Dankbarkeit der Band und der Begeisterung der Fans, nochmal in Nostalgie schwelgen zu können, und ohne dass ich Vergleichswerte zu einem davor gesehenen Static-X-Konzert schließen könnte, wirkte das Ganze auf mich wenig dynamisch (einen Wortwitz mit "statisch" wollte ich mir an dieser Stelle lieber verkneifen). Für eine Jubiläums- und Tribute-Show war die Idee von Static-X eine nette Sache, als dauerhafte Lösung finde ich die Show mit Xer0 aber in etwa so ansprechend wie eine Hologrammhow á la Ronnie James Dio: Gar nicht.

Foto via (c) Mind Over Matter / David Bitzan

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